Der Musiker und Amaro-Produzent bekommt auf der Bühne einen Rausch und wäre gerne für einen Tag Landeshauptmann.
Außensicht
Teilzeit: Eierlegende Wollmilchfrau
Aus ff 35 vom Donnerstag, den 28. August 2025
48 Prozent versus ein Drittel. So viele der erwerbstätigen Frauen arbeiten in Südtirol in Teilzeit (meist 50 Prozent) versus so viele Frauen sind es im restlichen Staatsgebiet. So teilte es das Arbeitsförderungsinstitut Afi vergangene Woche mit.
Das ist nichts, worauf wir stolz sein könnten, im Gegenteil: Teilzeit ist mies. Teilzeit rächt sich. Aber Teilzeit ist offenbar die einzig denkbare Lösung, wenn es noch allerhand anderes zu stemmen gilt. Haushalt. Kinderbetreuung. Pflege von älteren Familienmitgliedern. Das alles hängt an den Frauen, die es doch bitte sehr unter einen Hut zu bringen haben. Als wären sie eierlegende Wollmilchfrauen. Batteriebetriebene Duracell-Haslen. Als flösse Strom in unseren Adern.
Wer Teilzeit arbeitet, schaut drauf, allem gerecht zu werden. Auf sich selbst schaut man dabei aber nicht: Die Rente wird mickrig sein, da beitragsbezogen (wer weniger einzahlt, bekommt auch weniger raus); Altersarmut winkt aus der Ferne, wird aber gern verdrängt, weil eine andere Art, die aktuelle Lebensphase zu bewältigen, oft nicht vorstellbar ist.
Es ist das Modell, das vorgelebt und gesellschaftlich anerkannt wird: Auf meine Kinder schaug i mir selber. Die Kinder brauchen die Mama. Wer als Frau ganz oder beinah Vollzeit arbeitet, trotz kleiner Kinder zu Hause, der muss sich immer noch rechtfertigen. Bei Männern ist es die Norm.
Dabei ist allen gedient, wenn Frauen mehr als bloß 50 Prozent machen: Der Wirtschaft, die Arbeitskräfte braucht (welche Verschwendung, gut ausgebildete Leute gering zu beschäftigen!), dem Bruttoinlandsprodukt, das angekurbelt wird, der Partnerschaft, die dem Mann mehr Haushalts- und Fürsorgearbeit zutraut, und vor allem den Frauen selbst, die sich ein wichtiges Stück Freiheit und Unabhängigkeit bewahren können. Dafür braucht es aber endlich auch flächendeckende Betreuungsangebote und ein Überdenken der viel zu langen Sommerferien. Gehen wir’s an.
von Alexandra Kienzl | Kolumnistin, Englisch-Lehrerin und ehemalige ff-Redakteurin
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