Außensicht

Protest der Lehrpersonen: Anonym nicht streiken

Aus ff 46 vom Donnerstag, den 13. November 2025

Um es meinen Leib- und Leitmedien Rai Südtirol und ff einmal hineinzusagen: Hört auf, Leute zu Wort zu bringen, die ihren Namen nicht sagen! Ist es euch nicht zu minder, irgendwessen Klagen über zu viel Arbeit bei zu wenig Lohn anonym auf Sendung zu bringen oder ins Blatt zu heben?
Wer da klagt, tut es im Namen einer sogenannten „Initiativgruppe Bildung am Abgrund“. Es geht um Forderungen der Lehrerschaft an die Landesregierung. Klingen hart, und vermutlich sind sie berechtigt. Gewerkschaftlich eben, würde ich sagen, wenn nicht ausgerechnet die Schulgewerkschaften selber ins Schussfeld dieser „Initiative“ geraten wären.
Doch warum sprechen diese „Initiatoren“ im Radio und, wie erst neulich wieder, in der ff anonym. Versteh ich nicht. Und noch weniger versteh ich, wie die Redaktionen ihnen solches erlauben. „Die Namen sind der Redaktion bekannt“, heißt es keusch. Bravo, ich wüsste sie auch gern. Dieses Blatt schenkte der leidklagenden Lehrerin sogar einen Decknamen. Stefani heißt sie hier, und worüber sie sich zwei Seiten lang beschwert, verdient fürwahr keinen Personenschutz.
Ist offen zu gewerkschaftlichen Forderungen zu stehen, mit Klarnamen und Ortsangabe, hierzulande schon so gewagt, wie sich als Opfer eines Sexualverbrechens zu outen? Dass Bildungslandesrat Achammer und Schulamtsleiterin Falkensteiner offen Protestierende kujonieren könnten oder die Chefredakteure wegen unterlassenen Persönlichkeitsschutzes vors Journalistenkammertribunal zerren? Zum Lachen. Anonym streiken ist unanständig.
Pardon, das Lehrpersonal streikt ja nicht, es „boykottiert“. Für diese Unterscheidung hat eine Boykotteurin auf Rai Südtirol eine originelle Erklärung geliefert. Streiken, sagte sie, könnten sich die Lehrer nicht leisten, „weil dann wird uns vom Lohn abgezogen“. Hab verstanden: Nur Arbeiter sind reich genug, zu streiken.
Drum, liebes Lehrpersonal, boykottiert nur, aber ein bisschen mehr Respekt vor dem Streik, bitte! Der Streik ist ein Recht, und wer streikt, zahlt dafür. 

von Florian Kronbichler | Journalist, ehemaliger Chefredakteur der ff

Leserkommentare

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um zu kommentieren.