Außensicht

Black Week: Rabatt-Rausch

Aus ff 48 vom Donnerstag, den 27. November 2025

So laut wie in diesen Tagen ist es selten. Da will man eigentlich nur gemütlich durch die Stadt schlendern und wird von überall angebrüllt: „Kauf! Billiger! Noch billiger!“ Black Week, das ist wie Sommer- und Winterschlussverkauf gleichzeitig. Also rauf mit den Scheuklappen und raus aus dem Kaufrausch-Dschungel. Doch der nächste Gegner lauert schon in meiner Tasche. Denn sobald ich mein Handy entsperre, geht’s los: Kaum klick ich irgendwo drauf – zack! – kommt aus dem Display eine kleine Hand, packt mich am Kragen und zieht mich rein in die krassesten Deals des Jahres.
Manchmal höre ich es sogar, das eindringliche Flüstern: „Du brauchst das. Wirklich. Also … so wirklich wirklich.“ Und meine Entschlusskraft wankt wie ein schlecht zusammengebautes Ikea-Regal. Da ertappe ich mich plötzlich dabei, fast diese megatollen Vakuum-Aufbewahrungsbeutel zu bestellen, die angeblich mein gesamtes Leben aufräumen (Spoiler: tun sie nicht). Oder diese Schuhe, die es nur eine Nummer zu klein gibt, die aber so herabgesetzt sind, dass ich nicht anders kann, als sie zu kaufen. Und richtig gefährlich wird es bei diesem Luftreiniger, der von 799 auf 299 gefallen ist. Da denke ich kurz: Wie habe ich die letzten Jahre eigentlich ohne dieses Wundergerät überlebt? Habe ich überhaupt geatmet?
Die Kaufleute warnen ja vor allen möglichen Tricks, wie man während der Black Week über den Tisch gezogen werden kann. Danke. Aber wie verhindere ich, dass ich überhaupt erst in diesen Strudel rutsche und plötzlich Pakete vor der Tür habe, an deren Bestellung ich mich gar nicht erinnern kann?
Ich bin jedenfalls ehrlich erleichtert, wenn diese schwarzen Tage vorbei sind und mit ihnen der Drang, die besten Schnäppchen zu ergattern. Aber nur, damit das ganze Spiel von vorne beginnt. Denn es kommen die Weihnachtsangebote, der Winterschlussverkauf und, und, und ...
Wir kaufen uns durchs Jahr. Hauptsache günstig. Und die Erkenntnis bleibt immer dieselbe: Rabatte sind wie Chips. Man denkt, man kann jederzeit aufhören. Und plötzlich ist die Chipstüte leer und der Warenkorb doch wieder voll.

von Karin Köhl | Nachrichtenredakteurin und Journalistin

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