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Außensicht
Die Dinge beim Namen nennen: „Komplex“ geht immer
Aus ff 03 vom Donnerstag, den 15. Januar 2026
Dass mir so etwas passiert: Ich muss der Zett Respekt zollen. Ich lese dieses Sonntagsflittchen der Athesia nicht, aber neulich, Sonntag, der 4. Jänner war’s, kam ich beim Kirchengehen an einem der wenigen noch offenen Zeitungskioske vorbei und sah die Werbeschürze der Zett. Ganzseitig stand darauf der Titel geknallt: „Angriff auf Venezuela: Trump will alles!“ Und darunter, immer noch groß: „Die USA sind nach Russland nun die zweite Weltmacht, die einen Angriffskrieg auf dem eigenen Kontinent führt.“
Trump wie Putin, USA wie Russland, Venezuela wie Ukraine. Das nenne ich klare Aussprache. Ich habe es so in keiner anderen Zeitung gelesen, auch aus keinem Radio oder Fernsehen gehört, wo es dazu weniger Mut gebraucht hätte. Denn im Fall wird das gedruckte Wort strenger geahndet als das gesprochene. Respekt, Zett!
Die Großen jener Welt, die sich mit dem Attribut „die freie“ schmückt und gern als Wahrer einer „Wertegemeinschaft“ auftritt, haben sich zum Anlass auf das Nicht-Urteil „komplex“ geeinigt. „Die Sache ist komplex.“ Frau von der Leyen hat es für die Europäische Union gesagt, der deutsche Bundeskanzler hat es gesagt, alle, die sich nichts zu sagen getraut haben, haben gesagt: „komplex“.
Ich verarge keinem Landespolitiker, keinem Verbandsobmann und keinem Gewerkschafter mehr, dass er auf Fragen nicht antwortet und dafür sagt: Die Lage ist komplex. Denn das ist die Lage immer. Die Warteschlangen, die Wohnungsnot, der Fachkräftemangel, die Nicht-Streik-Maßnahmen der Lehrer, ist alles komplex.
Neulich, beim Weltcup-Nachtslalom in Madonna di Campiglio, sind im zweiten Durchgang die Favoriten der Reihe nach ausgeschieden. Die Kritik am Kurs, die Kritik am Kurssetzer sein wollte, lautete: „Ja, war komplex.“ Nur kein Kind beim Namen nennen, es könnte einen Preis kosten. Wird schon sein, dass Trump nicht die Zett liest und die Athesia so von Sanktionen verschont bleibt. Aber sie hat einen Angriffskrieg Angriffskrieg geheißen. Hosenscheißer aller vorgeblich freien Länder, komplext euch!
von Florian Kronbichler | Journalist, ehemaliger Chefredakteur der ff
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