Theater – „A Korrnrgschicht“: (mst) Als Wandervolk zogen die „Korrnr“ im 18. und 19. Jahrhundert durch den Vinschgau. ...
Außensicht
Zuständigkeiten: Vor der eigenen Tür
Aus ff 05 vom Donnerstag, den 29. Januar 2026
Da warten alle auf den Schnee, und kaum ist er da, geht es los. Das kalte Weiß ist dann nicht mehr romantisch, sondern schlagartig eine Frage der Zuständigkeit. Es geht um Versäumnisse, Pflichten und alte Rechnungen. Der Schnee liegt, die Nerven liegen blank. Und irgendwo zwischen Gehsteigkante und Gartenzaun flammt ein längst vergraben geglaubter Nachbarschaftskrieg wieder auf.
Vor allem unter Nachbarn entwickelt sich dabei eine erstaunliche Detailversessenheit. Zentimeter werden vermessen, Grenzlinien imaginär nachgezogen, alte Rechnungen aus anno Schnee hervorgeholt. Der Schnee selbst ist dabei nur der Auslöser für die ewige Frage, warum immer dieselben zum Handkuss kommen.
Dabei gibt es in einigen Gemeinden durchaus klare Regeln, wer den Gehsteig freischöpfen muss und wer die Auffahrt zu räumen hat. Festgeschrieben, schwarz auf weiß, ganz ohne Interpretationsspielraum. Und trotzdem wirkt der erste Schneefall jedes Jahr wie ein Niemandsland, in dem plötzlich jeder überzeugt ist, im Recht zu sein.
Oft ist es dann wie im Film, in einem platten Sonntagabendfilm wohlgemerkt: Der eine schaufelt demonstrativ nur bis exakt zur Grundstücksgrenze. Der andere schiebt den Schnee großzügig „aus Versehen“ auf die Seite des Nachbarn. Ein Dritter wartet ab, vielleicht taut es ja oder regnet drauf. Und der Vierte beobachtet das Ganze vom Fenster aus und ist beleidigt, weil niemand seine Einfahrt mitgeräumt hat.
Dabei wäre die Lösung erschreckend einfach. Wenn wir vor der eigenen Haustür nicht nur Schnee schaufeln, sondern dort ganz grundsätzlich kehren und uns um unseren eigenen Schei…, sorry: Schnee, kümmern würden, ginge es uns allen besser. Denn wenn jeder vor der eigenen Tür kehrt, ist für alle gesorgt, nicht nur für den Gehsteig.
von Karin Köhl | Nachrichtenredakteurin und Journalistin
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