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Außensicht
Sportliche Höchstleistung: An Tagen wie diesen
Aus ff 07 vom Donnerstag, den 12. Februar 2026
Es ist Olympia. Und an Tagen wie diesen sind wir plötzlich alle Experten. Wir wissen genau, wer geliefert hat und wer nicht. Olympia ist der große Moment: Wer da ist, muss funktionieren. Jetzt. Ohne Ausreden.
Olympia liebt den perfekten Körper. Durchtrainiert, optimiert, abrufbereit. Der Körper als Hochleistungsgerät. Und genau da stellt sich eine Frage, die erstaunlich konsequent ignoriert wird: Was ist mit Sportlerinnen, die an diesen Tagen ihre Tage haben? Darüber spricht man nicht. Zu privat, zu intim. Dabei ist es einfach Realität: Der weibliche Körper läuft da nicht im Hochleistungsmodus. Weniger Kraft, vielleicht Schmerzen, dünnere Nerven. Das ist kein Drama, aber eben auch keine ideale Wettkampfbedingung.
Natürlich tun Profi-Sportlerinnen alles (Legale), um trotzdem Leistung zu bringen. Das gehört zum Job. Erstaunlich ist eher, wie unbeholfen um dieses Thema herumgetanzt wird. Es ist gerade einmal drei Jahre her, da sagte eine der besten Skifahrerinnen unserer Zeit offen, sie befinde sich „in an unfortunate time of my monthly cycle“. Vom Journalisten übersetzt wurde das mit irgendetwas rund ums Radeln. Offenbar war der Mann so irritiert, dass ihm alles einfiel – nur nicht das Offensichtliche: Eine Frau spricht vor laufendem Mikrofon über ihre Menstruation.
Dabei ist die Wahrheit banal: Frauen haben Regelblutungen. Im Alltag, im Büro, im Spitzensport. Und sie managen sie. Heute offener, professioneller und klüger als früher. Es gibt Studien, Apps, Trainingspläne. Und ja, es gibt Frauen, die wichtige Termine auf gute Tage legen, im Sport genauso wie im Büro. Wenn es geht, warum nicht?
Olympische Rennen lassen sich natürlich nicht verschieben. Nicht auf gute Tage, nicht auf bessere Phasen, nicht auf irgendwann. Olympia ist gnadenlos. Wer da ist, ist da. Und wer startet, startet mit genau dem Körper, mit dem sie (und natürlich auch er) an diesem Tag aufgestanden ist.
Darüber zu sprechen ist nicht schwach. Schwach und irreführend ist, so zu tun, als gäbe es diese Körper nicht. Als wäre Leistung immer glatt, sauber und planbar. Ist sie nicht, auch nicht bei Olympia. Auch dann nicht, wenn man lieber nicht darüber spricht. An Tagen wie diesen.
von Karin Köhl | Nachrichtenredakteurin und Journalistin
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