Muri-Gries: Bilanz des neuen Kellermeisters Manfred Bernard nach seinem ersten Jahr hinter Klostermauern.
Außensicht
Bettenstopp-Debatten: Waffenstillstand
Wissen Sie noch, wo sie waren, als die letzten Scharmützel tobten, im großen Bettenkrieg 2026? Lasen sie die Depeschen von Leutnant Arnold Schuler oder General Luis Walcher? Hörten Sie die Frontberichte aus der Brennerstraße? Oder warteten Sie zitternd auf das Ende, während um Sie herum die Kissenschlachten tobten? Wo immer sie waren, Sie dürfen sich freuen: Der Frieden ist da. Und wie hart er erkämpft wurde, erkennt man schon daran, dass sich niemand als Besiegter sehen will.
Beide Seiten der SVP, ob tourismus-freundlich oder -hörig, sprechen von einem Kompromiss, der Südtirol freilich in ein geteiltes Land verwandelt: Hier die Schuler-Gemeinden (gut entwickelt, fristgerecht bebaut), dort die Walcher-Enklaven (strukturschwach, dürfen gern weiterbauen). Wird diese parteitaktische Lösung womöglich zu neuen Konflikten führen? Ach nein, niemals, vielmehr könnte man die Straßenverkehrsordnung nach diesem Vorbild auslegen: Überall gilt Tempo 50 im Ortskern. Außer ins Prettau und Schnals, die haben mit dem Rasen ja noch gar nicht richtig angefangen!
Ich klinge zynisch, ich weiß, aber nur, weil mich das Ringen um den Bettenstopp so sehr an all die anderen Grenzen erinnert, die feierlich beschlossen und dann in letzter Sekunde aufgeweicht werden. An die Pariser Klimaziele oder das EU-Verbrennerverbot, von der harten Frist degradiert zur lauen Diskussionsbasis – „da kann man doch nochmal drüber reden, oder?“ Aus dem Bettenstopp wurde jetzt ein Bettenstopp Light und vielleicht ertragen wir den künftigen Bettenstopp Zero leichter, wenn wir unsere Erwartungen schon mal herunterschrauben.
Mit Tourismus-Obergrenzen ist es wie mit den Ankunftszeiten deutscher Züge: Kurz vor Schluss kommen immer wieder fünf Minuten drauf. „Nur noch ein Chalet“, sagt der Hotelier zur Politik, „nur noch eine Folge Paw Patrol“ sagt der Fünfjährige vor dem Schlafengehen. Beide meinen es nicht ernst und kriegen trotzdem, was sie wollen.
Was also ist dieser Kompromiss? Kein echter Frieden, eher eine Waffenruhe, bei der das nächste Aufrüsten absehbar ist. Fürchten wir uns nicht: Vielleicht war der wahre Bettenstopp ja die Freundschaften, die wir unterwegs gefunden haben.
von Anton Rainer | Stellvertretender Leiter des
Ressorts Kultur beim Spiegel in Hamburg
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