Eine Alminteressentschaft will das Spronser Tal bis zur Bockerhütte schon lange mit einem Fahrweg erschließen. Nun startet sie einen neuen Versuch.
Außensicht
Landesrat: Walcher halbe-halbe
Aus ff 11 vom Donnerstag, den 12. März 2026
Auf der großen Anti-Remigration-Kundgebung in Bozen: Lässt mich ein 18-jähriger Arthur an, „Krieg droht, und ihr von der ff leitartikelt über Hundedreck auf Bozens Straßen“. Wo unser Sinn fürs Wesentliche bleibe. Wohl wahr, aber muss ich, dem Weltfrieden zuhilfe, dafür Luis Walcher, den Landesrat der Hoteliers und Großbauern, ungeschoren davonkommen lassen? Versteh mich, lieber Arthur, dem Walcher bin ich’s, dem Trump eher nicht.
Deshalb: Da sagt der Walcher neulich auf Rai Südtirol, von der Redakteurin zu seinem Bettenstopp-Schwindel in die Enge getrieben, wörtlich: „Ich bin auf der einen Seite Touristiker, auf der anderen Seite aber auch Südtiroler.“ Ja, „auch Südtiroler“, so genau sagte er es. Wir Zuhörer hätten uns erwartet, er würde sagen: auch Bauer. Das kennen wir.
Unsere Touristiker sind sowieso mehrheitlich Hoteliers, die eben einen Hof auch haben, und der Walcher ist so gesehen sicher der passende Landesrat für beides. Dass er „auch Südtiroler“ ist, war bislang unbestritten. Dass er es freilich nur „auf der einen Seite“ ist und auf der anderen Seite Touristiker und somit beides höchstens zur Hälfte, ist menschlich ein Eingeständnis persönlicher Schwäche, in der Sache jedoch eine Frage des Standpunkts: Touristiker oder Südtiroler. Entweder, oder. Einerseits, andererseits. Conclusio: Touristiker sind nicht Südtiroler, jedenfalls nicht zur Gänze.
So weit die Walcher-Logik. Er hat ja nicht unrecht. Im selben Rai-Interview macht uns der Landesrat Angst, auch Touristiker würden neuerdings abwandern – „in Richtung Gardasee“, weiß er. Da hamma’s. Nach der allseits beklagten „Fuga dei cervelli“ – Flucht des Hirnschmalzes – nun die Abwanderung der Hoteliers. Alles eine Folge des Bettenstopps. Aber nicht verzweifeln, an Hölderlin denken: „Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ Gröden ist abwanderungsgefährdet. Skilehrer und Kellnerinnen sind schon nach Waidbruck ausgesiedelt, die Hoteliers brechen auf „in Richtung Gardasee“. Es ist der Schleichweg in die Strukturschwäche. Und so zu weiteren Betten.
von Florian Kronbichler | Journalist, ehemaliger Chefredakteur der ff
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