Außensicht

Paralympics: Der leise Applaus

Aus ff 11 vom Donnerstag, den 12. März 2026

Emanuel Perathoner hat Sportgeschichte geschrieben. Gold. Bei der größten Sportveranstaltung der Welt. Man müsste eigentlich meinen, das reicht schon, um einen kleinen Ausnahmezustand auszulösen. Musikkapelle, Partyzelt, Empfang auf dem Dorfplatz. Reden darüber in der Bar, im Bus, im Büro.
Perathoner hat jahrelang trainiert, sich vorbereitet, alles auf diesen Moment gesetzt. Und am Ende steht er ganz oben. Eine Goldmedaille um den Hals. So wie jene Südtiroler, die bei Olympischen Spielen gewonnen haben.
Nur: Seine Spiele heißen anders: Paralympische Spiele.
Und irgendwie merkt man sofort, dass das einen Unterschied macht. Nicht bei der Leistung. Nicht bei der Medaille. Aber bei der Lautstärke des Applauses. Während der Olympischen Spiele verwandeln wir uns alle in Sportfachleute. Wir wissen, wie schnell ein Biathlet schießen muss, wie ein Skifahrer einen Steilhang einfährt und warum eine Zehntelsekunde eine Ewigkeit sein kann. In Bars und Wohnzimmern wird analysiert, diskutiert, mitgefiebert.
Die Paralympics dagegen laufen leiser.
Natürlich berichten Medien darüber. Auf den Titelseiten findet sich Platz, irgendwo zwischen Politik und Wetter. Und selbstverständlich gönnt man den Athletinnen und Athleten jeden Erfolg. Aber es ist ein anderes Tempo und ein anderer Ton. Es gibt keine täglichen Medaillenspiegel auf mehreren Seiten, keine Sondersendungen und Live-Ticker. In der Bar wird selten darüber gestritten, ob der Lauf technisch sauber war. Und die vielen Gelegenheitsfans, die bei Großereignissen plötzlich jede Sportart erklären können, haben offenbar gerade wieder etwas anderes zu tun.
Dabei wären die Geschichten eigentlich noch größer. Viele dieser Athletinnen und Athleten trainieren nicht nur für Höchstleistungen. Sie trainieren gegen eine Behinderung, gegen Schmerzen, gegen Grenzen, die der Körper ihnen gesetzt hat. Sie gleichen aus, kompensieren, kämpfen sich zurück. Der Weg aufs Podest ist oft besonders lang. Ich hoffe, Emanuel Perathoner bekommt seinen Empfang. Mit Musik, Applaus und einem Partyzelt. Verdient hätte er ihn. 

von Karin Köhl | Nachrichtenredakteurin und Journalistin

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