Außensicht

Sicherheitsdekret: Das bemesserte Land

Sicherheitsdekret
Das bemesserte Land
Die römische Regierung macht wieder mal Mist. Und nein, ich meine hier nicht die Justizreform; viel mehr noch als das bevorstehende Referendum beschäftigt das Südtiroler Volk ein anderes Vorhaben von Fratelli und Co.: Das neue Sicherheitsdekret stellt das Mitführen von feststellbaren Messern ab 5 cm Klingenlänge, also auch Taschenmessern, unter Strafe.
Ich dachte mir nicht viel dabei, da für gewöhnlich messerlos unterwegs, aber ich hatte, wieder einmal, keine Ahnung. Bis ich mit dem Zug fuhr. (Tipp an unsere Abgeordneten, mindestens einmal die Woche kreuz und quer mit den Öffis durch Südtirol zu fahren: Man bekommt wirklich viel mit.) An Bord entrüstete sich eine Gruppe Pensionisten über die staatlich verordnete Kastration, Freud würde es nicht anders nennen: Wie, um Himmels Willen, solle man jetzt noch Pilze sammeln? Wie den lebensnotwendigen Speck aufschneiden, außer Haus? Und es mache doch wohl einen Unterschied, ob da unsereins ein Messer im Sack habe oder irgend so ein „Zoggler“. Lauter Messerträger also.
Auch andernorts erfuhr ich als Reaktion auf das Verbot, wie viele Mitbürger und Mitbürgerinnen bemessert unterwegs sind. Handwerker und Bergretter und Jäger sowieso, aber auch die Mutti zum Epfeleaufschneiden, der Opa zum Steckenschnitzen, der Nachbar zum Fingernägelputzen. Die Schützen tragen sogar stets ein „Trachtenbesteck“ in der Hose mit sich, falls sich spontan eine Marende ergibt – ich hatte ja keinen blassen Schimmer. Ob die Marketenderinnen auch eines unterm Rock haben, oder, da sie ja auch nicht schießen dürfen oder wollen, nur einen ungefährlichen Löffel, muss ich noch in Erfahrung bringen.
Jedenfalls scheint man allenthalben mit Messer bewehrt, nur ich habe keines. Blank unter Klingen, das geht gar nicht. Das Messerverbot hat also paradoxerweise einen unbändigen Messerwunsch in mir geweckt. Eines von der Schweizer Marke muss her, multifunktional! Ich kann nur hoffen, dass es Senator Durnwalder, wie versprochen, hinkriegt mit den Römern. Notfalls muss man halt den „Zoggler“-Eignungstest einführen, das schaffen die Fratelli bestimmt auch noch.

von Alexandra Kienzl | Kolumnistin, Englisch-Lehrerin und ehemalige ff-Redakteurin

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