Evelyn Kirchmaier erklärt, warum Frauen in der Wirtschaft zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden – und was das für die Vereinbarkeit bringt.
Außensicht
Kriege: Mitgefühl auf Zeit
Am Anfang trifft es uns. Wir schalten ein, bleiben hängen, lesen mehr als sonst, schauen genauer hin. Wir sehen Städte, wo Rauch aufsteigt, zerstörte Häuser und Menschen, die auf der Flucht sind oder um ihre Lieben trauern. Wir wollen verstehen, was da gerade passiert und wie so etwas überhaupt möglich ist. Ein paar Tage lang ist das ganz nah.
Dann drängt sich das eigene Leben wieder nach vorne. Arbeit, Termine, Alltag. Der Krieg verschwindet nicht, aber er rutscht nach hinten. Iran. Gaza. Ukraine. An manches gewöhnen wir uns schneller, an anderes langsamer. Die Ukraine war richtig nah. Nicht nur geografisch, sondern auch emotional. Für viele meiner Generation war es der erste Krieg, der sich nicht wie ein ferner Nachrichtenblock angefühlt hat, sondern wie eine Bombe direkt nebenan. Und trotzdem haben wir uns daran gewöhnt.
Während anderswo Bomben fallen, ärgern sich viele über steigende Spritpreise, über den versickernden Steuerrabatt auf Treibstoff, über teure Flüge und Urlaubspläne, die nicht aufgehen. Das ist nicht falsch. Es ist unser Leben. Und trotzdem passt es nicht zusammen.
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Man ist sich selbst am nächsten, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Das ist der Grund, warum das Mitgefühl nachlässt. Sonst würden wir nicht funktionieren.
Und dann meldet es sich, das schlechte Gewissen, das man weggeschoben hat. Man merkt es in den Momenten, in denen man wieder auf eine Schlagzeile stößt und innehält. Weil man weiß: Die Kriege sind noch da. Und man selbst ist längst weiter. Nicht aus Bosheit. Aus Gewohnheit.
von Karin Köhl | Nachrichtenredakteurin und Journalistin
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