Ein paar Flaschlen für das Fest: Weißburgunder „Limes“, Weingut I. Niedrist, Girlan. St. Magdalener „Annver“, Pfannenstielhof, Bozen. Cuvée „Verlab“, Kellerei St. Pauls.
Außensicht
Zeitumstellung: Auf den Zeiger
Müden Auges schreibe ich am Montagmorgen diese Kolumne, und müden Auges werden Sie sie am Donnerstag (oder einem der folgenden Tage, so die Post will) lesen, denn wir befinden uns in der unseligen Woche der vermaledeiten Zeitumstellung. Ursprünglich als Reaktion auf die Ölkrise 1973 eingeführt, um Energie zu sparen (was nicht wirklich funktionierte), hat die Sommerzeit zwar nette Vorteile, wenn man mal drin ist (länger hell, mehr Gelegenheit für Freizeitaktivitäten), aber das Hin- und Hergeschiebe der Zeiger im März und Oktober ist halbjährlich ein Ärgernis.
Im Herbst noch verschmerzbar, weil okay, es wird früher dunkel, aber dafür gibt’s eine Stunde geschenkt, schlägt sie im Frühjahr unbarmherzig zu: Plötzlich heißt’s eine Stunde früher raus, entsetzte Kinder müssen aus wohligem Schlummer gerissen, ohnehin morgens noch komatöse Teenager geradezu aus dem Bett gesprengt werden, und in der Mokka landet ob Mutters Verwirrtheit Kakao- statt Kaffeepulver. Freuen tut sich nur die Katze, die eine Stunde früher zu ihrem Fressi kommt, alle anderen laborieren etwa eine Woche daran, bis sie wieder halbwegs in der Spur sind.
In dieser Zeit gibt es mehr Wild- und sonstige Unfälle im Straßenverkehr, noch mehr unnötige schlechte Laune, Konzentrationsprobleme in Job und Schule und angeblich sogar gesundheitliche Nachteile für Herz und Kreislauf. Sie sehen, ich fahre hier alles auf, weil mir dieses Umgestelle dermaßen auf den – jawoll – Zeiger geht. Bestimmt treffen Menschen in dieser Zeit auch katastrophal falsche Lebensentscheidungen, heiraten den falschen Partner, investieren in Bitcoins oder stimmen bei Referenden „falsch“ ab (notiert, fratelli?), weil der Biorhythmus verrückt spielt.
Forscher sagen zwar Blödsinn, die Vorteile überwiegen, aber ich bin nicht überzeugt und bettle: Könnten wir nicht, wenn es die EU schon trotz gegenteiliger Beteuerungen seit Jahren nicht auf die Reihe kriegt, diesem Theater ein Ende zu setzen, unser eigenes Süppchen kochen? Zeitumstellungsautonomie sozusagen? Wir machen einfach einen auf Island, pfeifen auf die anderen Staaten und werben künftig mit dem Slogan: Südtirol – wir ticken anders. Wortwörtlich.
von Alexandra Kienzl | Kolumnistin, Englisch-Lehrerin und ehemalige ff-Redakteurin
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