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Außensicht
Daten: Vom Elend der Wissenschaft
Aus ff 15 vom Donnerstag, den 09. April 2026
Dachte mir, das Gespenst von den 12.000 zu vielen Betten im Land wär um, da kommen mir meine Grünen in die Quere. Ausgerechnet die. Der Bedarf müsse „wissenschaftlich erhoben“ werden, pressemitteilen sie. So als müsste die Offensichtlichkeit, dass es reicht, noch mal bewiesen werden. Von wissenschaftlich in der Politik weiß ich ein Geschichtchen zu erzählen.
In meinem früheren Leben war ich eine Zeit lang Angestellter des mythischen Landesrats (damals Assessor) Alfons Benedikter. Ich rede von den End-70er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Dieser Assessor war die fleischgewordene Allmacht im Land. Was „der Benedikter“ dachte, sagte und tat, galt und wurde vollstreckt. Sein (All-)Machtinstrument waren, abgesehen von großem Wissen und einer überdurchschnittlich ausgeprägten Sturschädeligkeit, die Daten. Er war der erste Politiker im Land und lange Zeit der einzige, der Daten hatte, gelegentlich solche erfand, und mit Daten operierte. Es waren die Zeiten, da es Mode wurde, mit Zahlen und Statistiken, also „wissenschaftlich“ zu argumentieren. Daten waren nur mit Daten zu widerlegen. Die Verhältnisse aber waren so, dass nur „der Benedikter“ welche hatte. Also blieb er unwiderlegt.
Ich war zu der Zeit einer seiner Rechenknechte. Einmal galt es, Mietwohnungen gerecht übers Land zu verteilen. Es dürften an die 2.000 gewesen sein. Mich traf die Aufgabe, den Verteilungsschlüssel „wissenschaftlich“ zu errechnen. Bevölkerung, Sprachgruppe, Stadt, Land, Bedarf, alles hatte seinen Koeffizienten. Der Assessor hatte es nicht eilig. Von Sitzung zu Sitzung vertröstete er die drängenden Parteien und Verbände, der Dr. Kronbichler sei dabei, die wissenschaftlichen Daten zu liefern.
Der „Wissenschaftler“ lieferte, und die Wirklichkeit: In der entscheidenden Sitzung trat „die Franzelin“ (Rosa) auf, damals Benedikters Dienstmagd in Wohnhilfsbelangen, zog ihre Liste aus der Tasche wie einen Einkaufszettel (so viele Wohnungen hier, ein bissl mehr dort), und ausverteilt war. Hausverstand schlug Wissenschaft. Es war besser so.
von Florian Kronbichler | Journalist, ehemaliger Chefredakteur der ff
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