Bruneck – Kronplatz: (sul) Er werde die Dinge so gut es gehe auseinanderhalten, sagte Bruno Wolf vor einem Jahr zu ff (20/2025). ...
Außensicht
Eklat um Bürgermeister Nöckler: Koffein und Babys
Irgendwo habe ich ja Verständnis für Bürgermeister Nöckler: Es ist nicht schön, wenn man in Eile ist, und diejenigen, die diese Eile verringern oder eben vergrößern können, lässig ins Kaffeeparadies schlendern sieht. Nachdem er anekdotische Evidenz bemüht hat, um die angebliche Unsitte der „Komme, was wolle“-Kaffeepause in der Landesverwaltung zu untermauern, möchte ich hier ebenfalls aus dem Nähkästchen plaudern: Vor Jahren hatte ich einen Termin mit einer Beamtin, stand pünktlich zum Gespräch bereit, nur um dieselbe wortlos entschwinden zu sehen. Ein menschliches Bedürfnis vielleicht?
Ja, aber ein anderes als vermutet: Während ich mit quengelndem Kind vor dem Büro saß, sah ich meinen Termin relaxed im Sonnenschein Kaffeele trinken. Einen Schönheitsfehler hat die Anekdote für Nöckler freilich: Der Kaffeejunkie war keine Frau, sondern ein Mann. Und eigentlich war das Warten auch gar nicht so schlimm, weil das Gespräch anschließend gut verlief. Wer weiß, wie es gelaufen wäre bei drängenden Entzugserscheinungen?
Den Vorwurf der spezifisch weiblichen Koffeinsucht konnten wir also schon mal anekdotisch entkräften, nun zu jenem der angesprochenen Babysucht: Dass Frauen ständig schwanger werden, das stimmt schon mal gar nicht mehr. Wenn man nämlich die durch Kaffeepausen entstehende Wartezeit sinnvoll mit dem Lesen von Nachrichten auf dem Handy überbrückt, erfährt man, dass die Geburtenrate in Italien ständig sinkt; jetzt auch in Südtirol. Das verheißt nichts Gutes, was den Arbeitskräftemangel oder das Rentensystem betrifft: Wer macht die Jobs, wer zahlt noch ein? Wenn Frauen also schwanger werden, und dazu sind im Moment halt nur weibliche Körper imstande, dann sollte man ihnen dankbar einen Handkuss und flexible Arbeitszeitmodelle für beide Eltern in Aussicht stellen, anstatt sich darüber zu beklagen, dass sie in Teilzeit zurückkommen.
Wer macht denn ihre Arbeit, wenn sie plötzlich alle zu Hause blieben, wie von Herrn Nöckler angeregt? Wenn niemand mehr am Schalter sitzt, wird man sich wehmütig an die Zeiten zurückerinnern, als man nur das Ende der Kaffeepause abwarten musste.
von Alexandra Kienzl | Kolumnistin, Englisch-Lehrerin und ehemalige ff-Redakteurin
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