Vor einem Jahr wurde Robert Francis Prevost zu Papst Leo XIV. gewählt. Vatikan-Korrespondentin Severina Bartonitschek erklärt, was der Papst für einen Charakter hat – und wie er sich gerade verändert.
Außensicht
Brennerblockade: Eine Demo muss wehtun
Der 30. Mai ist mein und meiner Frau Hochzeitstag, und ich danke dem Bürgermeister Karl Mühlsteiger von Gries am Brenner, dass er uns mit dem verkehrsfreien Samstagnachmittag ein würdiges Jubiläumsgeschenk macht. Wir werden hinfahren zur „Versammlung“ auf der Autobahn, oder wenigstens bis nach Sterzing, wo Bürgermeister Volgger, Südtirols einziger mit Hirn und Humor, zu einem Demonstrationsglasl lädt. Der Rest des Landes ist knechtischer Opportunismus.
Egal wie man zur Notwehr-Aktion unserer Tiroler Nachbargemeinde stehen mag, ob pro oder kontra, allein wie das amtliche und verbandliche Südtirol auf die Ankündigung reagiert hat, ist schäbig, politisch dumm und wird noch zu büßen sein. Früher, als der Begriff noch nicht missbräuchlich vereinnahmt war, hätte man gesagt: ist untirolerisch.
Wollen wir erst gar nicht vom Zweck der Kundgebung, dem Menschenschutz im Wipptal, reden. Widerstand muss sein. Das sieht auch das schlichteste Gemüt ein. Unsern Vertretern fehlt es an Anstand, an Respekt vor den Opfern, an politischer Bildung. Jahrzehntelang transitkujonierte Anrainer getrauen sich, einen Samstagnachmittag lang auf sich aufmerksam zu machen. Und schon jaulen Politiker und Funktionäre auf: die Mittel unverhältnismäßig, Termin falsch, Ziel verfehlt, mit uns nicht abgesprochen, Schaden unermesslich, Chaos, Terror, Wirtschaftsfeindlichkeit. So reden sie. Jedes einzelne Argument eine Peinlichkeit. Wie kann Landeshauptmann Kompatscher „in Rom und in Wien intervenieren“ wollen? Salvini, bitt für uns!
Landeshauptmann und Vize, schämt euch! Der 30. Mai sei falsch: eine Woche nach Pfingsten, zwei Tage vor Staatsfeiertag, vier Tage vor Fronleichnam – Ponte tschari, Tourismus tot. Seine Mobilitätshoheit, der Alfreider, beklagt die „mangelnde Absprache“. Ja, was hätte er seinem Nordtiroler Kollegen etwa geraten? Transitsperre zu Heiligabend? So wie die Lehrerinitiative „Bildung am Abgrund“ nicht wusste, was ein Streik ist, wissen Südtiroler Politiker nicht, was eine Demo ist. Die Tiroler sind nicht blöd: Eine Demo muss wehtun. Sonst ist sie keine.
von Florian Kronbichler | Journalist, ehemaliger Chefredakteur der ff
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