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Außensicht
Frieden: Aus offenem Fenster
Aus ff 21 vom Donnerstag, den 21. Mai 2026
Vor 14 Tagen, es war Samstag, der 9. Mai, hätte es gegen Abend, 17 Uhr, in ganz Europa kräftig „ziehen“ müssen. Es wäre die Stunde gewesen, zu der 1950 der französische Außenminister Robert Schuman mit einer Rede die Idee für ein Europa als friedliche Gemeinschaft lanciert hat. In Südtirol war es der „Friedensblog“, der ans Momentum erinnerte.
„European Peace Projekt“ heißt die Initiative. Ideengeber sind unter anderen der ehemalige Europaparlamentarier Sepp Kusstatscher, der Vielfach-Aktivist Arno Teutsch und der Malser Apotheker Johannes Fragner-Unterpertinger. Friedensengagierte Menschen sollten am 9. Mai, 17 Uhr, ein Fenster ihrer Wohnung öffnen und mit Musik, Rufen oder einfach durch das Verlesen des Friedensmanifests von Robert Schuman die Mitwelt auf den bedrohten Frieden aufmerksam machen.
Man merkte nichts. „Europa – Tausende offener Fenster für den Frieden!“, so der Aufruf, verursachte keine Zugluft, geschweige denn allen Aufrüstern und Kriegsgläubigen einen Schnupfen. Die Menschen scheinen sich an Krieg gewöhnt zu haben. Die Initiatoren vom Friedensblog blieben die üblichen paar Rufer in der Wüste, wie immer bei ihren Aktionen. Wirkungslos und außerdem belächelt.
Sind aber deswegen diese Handvoll Aufrechter ganz abseitig, weil realitätsfern unterwegs? Minderheitlich sind sie ganz gewiss. Aber wer bald fünf Jahre Abwehrkrieg in der Ukraine für den einzigen Weg zu einem sogenannten gerechten Frieden hält, wie fast alle Regierungen in Europa, muss sich doch fragen lassen: Ist auch der Papst ein kompletter Naivling? Und ist es auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen? Sie reden genauso an gegen Aufrüstung und Kriegstüchtigkeit und gegen die herrschende Überzeugung, wonach Frieden nur durch Einschüchterung des Gegenübers zu haben sei.
Ich höre schon höhnen: ach, der Papst! Muss ja so reden.
Richtig, muss er. Er spricht offen aus seinem offenen Fenster. Und die wenigen im Land, die sich getrauen, gleich offen zu reden wie der Papst, verdienen Respekt.
von Florian Kronbichler | Journalist, ehemaliger Chefredakteur der ff
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