Außensicht

Familiendemo: Sag mir, wo die Männer sind

Es ist ja nicht so, dass keine dort gewesen wären: Bei der Familiendemo am Magnago-Platz sah man Väter, die Seifenblasen pusteten, und Opas, die Schilder hielten. Es waren aber eben bei Weitem nicht so viele Männer dort wie Frauen.

Wieso? Weil die Themen und Forderungen, für die man sich eingefunden hatte, nach wie vor Frauenthemen sind? Altersvorsorge, Kinderbetreuung, Vereinbarkeit, Entlohnung von Fürsorgearbeit und, und, und: Geht das nur die Frauen was an? Weil sie halt meistens diejenigen sind, die das Gros davon im Haushalt stemmen?

Nein, nein und nochmals nein. Wenn man Familie ist, dann sind das Themen, die beide Elternteile, ja das Umfeld darüber hinaus betreffen: Man(n) darf die Frau damit nicht alleine lassen, wenn er sich als wirklicher Partner versteht. Da genügt es nicht, dass man wohl Verständnis zeigt („Hosch’s schun streng“), sich dann aber doch lieber aufs Radl schwingt, als bei der Demo mitzumachen, weil das Wetter halt so schön ist.

Wie wichtig wäre es gewesen, dass sich dort auch ein Mann vor das Mikro stellt und Forderungen anbringt! Wie wichtig wäre es generell, dass mehr Männer für diese unbequemen Themen ihr Gesicht hinhalten und nicht nur pronti sind, wenn es darum geht, sich als medienwirksame Super-Daddys abfeiern zu lassen. Stattdessen sind es vorwiegend wir Frauen, die wir uns für Familienbelange stark machen müssen – neben all den Aufgaben, die wir ohnehin schultern.

Dass Familie und Kindererziehung in unseren Köpfen immer noch Frauensache ist, hat letzthin auch ein Interview mit der Unternehmerin Ruth Oberrauch eindrücklich schrecklich verdeutlicht. Arglos kam die Frage: „Sie haben zwei schulpflichtige Kinder: Wie wollen Sie da den Spagat zwischen Familie und Beruf meistern?“ Ich kann mich nicht erinnern, dass etwa einem Alexander Rieper oder einem Philipp Achammer jemals diese Frage gestellt worden wäre. Richtig wär’s.

von Alexandra Kienzl | Kolumnistin, Englisch-Lehrerin und ehemalige ff-Redakteurin

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