Der Sprecher des Sanitätsbetriebs ist den Marathon von New York gelaufen und empfindet Zweifeln als seinen größten Fehler.
Außensicht
Brenner-Protest I: Die, die bleiben
Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein. Ein kleines Dorf leistet Widerstand.
Selten hat mich ein Comic so sehr an die Politik erinnert. Nicht wegen Asterix und Obelix. Sondern wegen Gries am Brenner, diesem aufmüpfigen Dorf im Norden (von uns aus gesehen).
Wochenlang wurde geschimpft und gewarnt. Die Touristiker sahen den Saisonstart in Gefahr, manche Betriebe auch ihre Einnahmen. Die Frächter gleich den Wirtschaftsstandort Europa. Politiker pilgerten bis nach Rom und Wien. Manche klangen, als stünde der Zusammenbruch des Abendlandes bevor. Der Grund: Ein Dorf am Brenner wollte demonstrieren und Straßen sperren. Ausgerechnet an einem langen Wochenende Ende Mai. Mit Feiertag und Sonne.
Natürlich waren die Sorgen vor Verkehrschaos nicht völlig aus der Luft gegriffen. Umso erstaunlicher war, was dann tatsächlich geschah. Der große Tag kam und mit ihm nichts von dem, was angekündigt worden war. Stattdessen marschierten Tausende Menschen auf. Bei sommerlichen Temperaturen und an einem Tag, an dem man grillen, wandern oder baden hätte können. Stattdessen standen sie dort und sagten: „Es reicht.“
Wie groß muss die Belastung sein, damit Menschen auf die Idee kommen, eine der wichtigsten Verkehrsachsen Europas zu blockieren? Denn die Menschen im Wipptal fahren nicht nur durch. Sie bleiben. Sie hören den Verkehr vom Balkon aus, atmen beim Abendessen im Garten die Abgase ein und leben auch nachts bei offenem Fenster damit. Tag für Tag.
Die Forderungen waren dabei gar nicht revolutionär: weniger Lärm, mehr Schutz, weniger Transitverkehr an Wochenenden. Wer eine starke Lobby hat, wird gehört. Aber wer keine hat, muss manchmal laut werden. Die Frächter haben ihre Verbände. Die Touristiker ihre Interessenvertretungen. Die Anwohner entlang der Autobahn oft nur ihre Geduld – bis sie irgendwann aufgebraucht ist.
Und zum Schluss die gute Nachricht: Der Verkehr rollt wieder. Die schlechte Nachricht: Genau darum ging es ja.
von Karin Köhl | Nachrichtenredakteurin und Journalistin
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