Außensicht

Brenner-Protest II: Autonomes Gekrieche

Welcher Teufel reitet den Landeshauptmann? Hat er schon vor der Brenner-Kundgebung wochenlang Unflätigkeiten verzapft, die Veranstalter beleidigt, das Chaos prophezeit und von „Eigentor“ gesprochen, bringt er sich selbst post festum nicht mehr ein. Alle Welt berichtet mit Hochachtung von der Selbsthilfe-Aktion der Wipptaler, und was tut unser Landeshauptmann? Statt sportlich den Aufständischen zum Erfolg zu gratulieren, sehen wir in der „Tagesschau“ einen Wolkensteinritt-kostümierten Kompatscher, wie er nachtritt: nutzlos der Protest, löst gar nichts, könnte sogar schaden, „unser Weg ist kons­truktiv zu verhandeln“. Kein Wort der Anerkennung für eine verantwortungsvoll durchgeführte Massenveranstaltung von europaweiter Resonanz. Im Gegenteil: war alles Verdienst der eigenen (protestfeindlichen) Abschreckungsmaschinerie, „hat viel Geld gekostet“. Als müssten sich die Autobahnbesetzer noch schuldig fühlen.

Es ist das Bild des Arno Kompatscher, der in einem zunehmend wisserischen und gleichzeitig verächtlich ironischen Gehabe mehr von sich preisgibt, als ihm lieb sein kann. Politisch so gespürlos kann der Landeshauptmann doch nicht sein, dass er den Wert an sich von Kundgebungen nicht erkennt. Das Urteil „nützt überhaupt nicht“ ist, abgesehen von verächtlich, dumm. Demokraten denken das nicht. „Meine Aufgabe ist es, in Rom Forderungen zu stellen“, schon recht, aber hallo, Herr Volksvertreter! Wie abgehoben sind wir schon?

Und erst die wenig verhüllte Anspielung, der Schulterschluss mit den demonstrierenden Nordtirolern könne das gute Einvernehmen mit der Regierung in Rom trüben („Salvini bestärken“). Wollte Kompatscher wirklich diese Katze aus dem Sack lassen? Offener kann doch nicht zugegeben werden, dass wir eine Autonomie dank Wohlverhalten, deutscher gesagt: von Melonis Gnaden sein wollen.

Untertänigkeit für die Bildung der Landesregierung (schon damals wurde protestiert – „nutzlos“). Wir bekamen die Autonomie-Reform. Untertänig am Brenner, um die Autobahn-Konzession zu bekommen? Wir wollen nicht autonom kriechen.

von Florian Kronbichler | Journalist, ehemaliger Chefredakteur der ff

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