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Außensicht
IDM und Saudi-Arabien: Kühle Köpfchen
Eine oft unterschätzte Folge der Hitze ist ja, dass sie uns die Birne weichklopft. Man geht vom Garten in die Stube, es hat 39 Grad und plötzlich vergisst man, was man eben noch tun wollte: Eis holen? Rechnungen zahlen? Die Wirtschaft ankurbeln? Bei unseren Landesvermarktern von der IDM hat man dieses Problem zum Glück nicht, dort regieren ganzjährig kühle Köpfe, was bei der aktuellen Marktpositionierung auch wichtig ist: In Saudi-Arabien brennt die Sonne nämlich mit bis zu 52 Grad – oder wie IDM-Chef Erwin Hinteregger sagt: Es ist ein „schwieriger Markt“, auf den Südtirol sich da neuerdings wagt, „sehr komplex“.
Das stimmt nur bedingt: Heiß und schwierig ist der Markt zwar, vor allem für jene Saudi-Araber, die vom Staat drangsaliert, gefoltert oder ohne faire Verfahren geköpft werden (96 Hinrichtungen gab es allein im ersten Halbjahr). Unsere Südtiroler Birnen aber haben es wesentlich einfacher, wie Hinteregger jüngst im Rai-„Morgengespräch“ erklären durfte: Mehr als 20 Betriebe machten vor Ort schon gute Geschäfte und sie würden noch bessere machen, wenn nicht auf diesen ollen Menschenrechten herumgeritten würde: „Wir können uns nicht anmaßen, jedem Land zu sagen, was sie zu tun haben“, winkte Hinteregger ab, das müsse doch die dortige „Bevölkerung“ entscheiden. „Wirtschaftswachstum vor Moral, sagen Sie“, fasste die Rai-Redakteurin die Haltung des IDM-Chefs zusammen, und er widersprach nicht. Vielleicht, weil sein kühler Kopf schon überlegte, ob das nicht ein authentischer Slogan für sein Haus sein könnte: „WVM“ würde sich auf IDM sogar reimen.
Diese Ehrlichkeit ist neu. Bei vielen Unternehmern sind Sympathien für autoritäre Herrscher lange belegt, weil man mit Kronprinzen leichter verhandelt als mit Arbeitsrechtlern und Parlamenten. Öffentliche Stellen wie die IDM aber waren bisher zurückhaltender: Ging denn nicht immer beides? Moral und Wachstum, unter einer Dachmarke vereint? Nicht in diesem Fall – die kühlen Köpfe haben gesiegt und gewählt. Und alles, was sie auf dem Weg dorthin vergessen mussten, ist, dass in keiner Diktatur dieser Welt die „Bevölkerung“ irgendetwas „entscheidet“.
von Anton Rainer | Stellvertretender Leiter des Ressorts Kultur beim Spiegel in Hamburg
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