Während andere Hotels laufend erneuern, setzt Klaus Maran auf Bestand, Retro und Architektur. Wie der ehemalige Surfweltmeister damit am Kalterer See Erfolg hat.
Außensicht
Chatkontrolle: Ja, was denn jetzt?
Früher hielt ich Menschen für klug, die auf alles eine Antwort hatten. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher. Wer auf jede Frage sofort eine Meinung parat hat, wirkt entschlossen und souverän. Fast so, als hätte er die Welt längst durchschaut. Das kommt gut an – in Talkshows, beim Budl und auf Social Media. Dort gewinnt selten, wer sagt: „Das ist kompliziert.“ Dabei gibt es Fragen, auf die das die einzig ehrliche Antwort wäre.
Die Diskussion um eine mögliche Chatkontrolle in der EU ist so ein Fall. Sollen private Chats kontrolliert werden, um Darstellungen von Kindesmissbrauch leichter aufzuspüren? Natürlich Kinder schützen! Aber dann ist dir deine Privatsphäre wohl schnuppe? Äh ... nein, logisch auch nicht!
Ja, was denn jetzt?
Während ich diesen Text schreibe, liegt mein Handy neben mir. Darin stecken Bankdaten, Familienfotos, Sprachnachrichten und Gespräche, die niemanden etwas angehen. Und trotzdem ertappe ich mich bei dem Gedanken: was, wenn dadurch tatsächlich auch nur ein Kind geschützt werden könnte? Natürlich muss die Politik irgendwann entscheiden und Gesetze beschließen. Aber wir? Dürfen wir nicht auch zugeben, dass wir es manchmal schlicht nicht wissen oder uns nicht entscheiden können? Dass manche Fragen Zeit brauchen? Muss wirklich jede Antwort sofort sitzen, nur damit wir entschlossen wirken? Wer heute nicht sofort antwortet, wirkt schnell unentschlossen. Dabei brauchen differenzierte Antworten meistens einfach länger. Wer eine einfache hat, ist schneller fertig und oft auch lauter.
Bei der Chatkontrolle etwa prallen zwei Grundwerte aufeinander: der Schutz von Kindern und das Recht auf vertrauliche Kommunikation. Trotzdem läuft die Diskussion oft erstaunlich vorhersehbar ab. Such dir eine Seite aus: dafür oder dagegen. Schwarz oder weiß. Nur hält sich das Leben erstaunlich selten an dieses Farbschema.
Früher hielt ich Menschen für klug, die auf alles eine Antwort hatten. Heute glaube ich: Wer bei schwierigen Fragen nie zweifelt, hat entweder sehr viel Ahnung. Oder ziemlich wenig.
von Karin Köhl | Nachrichtenredakteurin und Journalistin
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