Schule – Invalsi-Tests: (mh) Mit den jährlichen Invalsi-Lernstandserhebungen will Italien die Unterrichtsqualität vergleichbar ...
Außensicht
Etikette: Nippel rein!
Neulich spazierte ich bei – zugegeben – großer Hitze durch mein Dorf, da kam mir ein Urlauberpärchen entgegen. Zu dieser Jahreszeit kommt das öfters vor, allerdings war die männliche Komponente des Duos obenrum vollständig unbeschwert von irgendwelchen Textilien, also: nackt. Das sehr wohl vorhandene Leibchen (ein Prekariatsthema war es also nicht) hatte er sich lässig in den Hosenbund gesteckt und führte selbstbewusst seinen durchaus muskulösen Body vor; die Begleiterin schaute hintendrein mit einer Mischung aus Bedauern und Besitzerstolz.
Ob sie meine entsetzte Grimasse richtig gedeutet hat, weiß ich nicht; sie muss noch ausbaufähig sein, denn auch gestern konnten meine Blicke eine Urlauberfamilie (offenbar ein Muster) im Schwimmbad nicht davon abhalten, sich in der Bar umzuziehen. Ringsum von Umkleidekabinen flankiert bevorzugte man das Abstreifen der nassen Badesachen am Bistrotisch, zog Schlüpfer unterm Rock hoch und präsentierte den Anwesenden die nicht mehr ganz so dolle Unterwäsche. Nun frage ich mich: Bin ich prüde oder muss das sein? Können wir bitte einen Riegel vorschieben, bevor das überhandnimmt und Nackigkeit fern von künstlichen und natürlichen Gewässern so salonfähig wird wie rechtsextreme Ansichten in bürgerlichen Kreisen?
Meran scheint besonders geplagt von diesem Phänomen, das sowohl der wirklich unerträglichen Hitze (aber Gefahr Sonnenbrand!), der Nähe von Passer und Therme als auch einem allzu wörtlich genommenem Versprechen von mediterraner Leichtigkeit geschuldet ist. Hier gab es zuletzt vermehrt Beschwerden über Entblößer, die ins Stadtzentrum vorgedrungen sind, um dort ihr weitgehend textilfreies Unwesen zu treiben.
Sollen wir auf eine Verordnung der Bürgermeisterin warten oder nehmen wir die Sache selbst in die Hand, mit scharfen Blicken und Worten? Selbstjustiz in Form von Gegenangriff (demonstratives Ausziehen mit Abschreckcharakter) oder doch eine Fortsetzung der „Respekt“-Kampagne des Landes („Sei kein Schwein, Nippel rein!“). Die rote Linie ist jedenfalls hurtig zu ziehen, bevor wir vor derartigen Anblicken kapitulieren.
von Alexandra Kienzl | Kolumnistin, Englisch-Lehrerin und ehemalige ff-Redakteurin
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