Außensicht

Magnago-Denkmal: Hol den Vorschlaghammer

Wann immer Politiker an der Gegenwart verzweifeln, wenn sie von kleinen und großen Volksleiden geplagt werden, wendet sich ihr Blick in die Vergangenheit. Dann drucken sie die Namen wichtiger, toter Menschen auf Straßenschilder oder bauen Statuen, in der Hoffnung, dass dabei ein bisschen Glanz und Respekt auf sie selbst abfällt.
Silvius Magnago ist der jüngste Südtiroler, der sich über diese „Ehre“ freuen soll. Ein Denkmal des Politikers könnte künftig Big-Brother-gleich über die Arbeit seiner Nachfolger wachen. Und das direkt vor ihrem Arbeitsplatz, wo sie sich beim Anblick jeden Morgen fragen dürfen, wie wohl „der Alte“ an ihrer Stelle handeln würde. Ich mache es kurz: Ich halte das für eine schlechte Idee. „Aber war er denn kein großer Mann?“, höre ich sein rühriges Fangirl Martha Stocker fragen. Na klar: Magnago war groß und bedeutend, warum also will man ihn mit einem Denkmal strafen?
Denn Stein und Beton sind schwere Lasten, auch für diejenigen, an die sie erinnern sollen. Was einmal ein atmender, blutender Mensch war, kriegt plötzlich einen Sockel, von dem er selbst nicht mehr heruntersteigen kann. Schlimmer noch: Er wird gegen seinen Willen zum Teil einer „Debatte“. Schon jetzt, bevor das erste Steinchen liegt, überziehen sich Magnago-Gegner und -Jünger mit Anwürfen. War er nun ein „Finsterling“, wie Eva Klotz behauptet? Hatte er „auch dunkle Seiten“, wie der Heimatbund schreibt? Und warum nicht mal wieder über den Laurin-Brunnen streiten, über Faschisten und Zwergenkönige und alles dazwischen?
Man fragt sich schon, was Magnago über dieses Gezanke dächte, und findet eine Antwort ausgerechnet bei Martha Stocker. Anders als von Klotz und Co. unterstellt, habe der Alt-Landeshauptmann Südtirols politische Häftlinge nie vergessen, sagte sie der Dolomiten. Er habe lediglich viele Jahre eisern geschwiegen, aus „Disziplin“ und „Diskretion“. Angenommen, Stocker hat recht: Worüber würde sich ein solch demütiger Mann wohl eher freuen: über ein Denkmal? Oder über ein paar neu gepflanzte Bäume?

von Anton Rainer | Stellvertretender Leiter des Ressorts Kultur beim Spiegel in Hamburg

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