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Außensicht
Zahnspangen: Aua!
Es gibt Wörter, die jagen Eltern, wenn in Bezug auf ihren Nachwuchs verwendet, kalte Schauer über den Rücken: „Läuse“ ist so ein Wort, oder „akuter Brechdurchfall“. Oder eben „Zahnspange“.
„Zahnspange“ hat Schockerpotenzial, und dieser Schocker schlägt mit einer Häufigkeit ein, bei dem die stets aktiven Läuse nicht mithalten können: Zwei Drittel der Kinder in Deutschland bekommen eine Zahnspange verpasst, circa 40 Prozent sind es in Österreich, und in meinem Bekanntenkreis betrifft es gefühlt jedes Kind ab zehn. Wobei der Schocker weniger die Notwendigkeit der Korrektur ist, als der tiefe, tiefe Griff in die Geldtasche, der damit fällig wird. Wie oft habe ich Eltern klagen hören, es wären größere Reparaturen am Haus fällig, ein neues Auto, aber da jetzt der Nachwuchs die Zähne gerichtet haben muss, geht das Ersparte dafür drauf – falls überhaupt welches da ist.
Wir reden hier von Ausgaben, die auch schon mal den fünfstelligen Bereich erreichen können, ein Kleinwagen wäre also durchaus drin. Im Ausland muss man sich deswegen keine grauen Haare wachsen lassen: In Deutschland übernimmt die Krankenkasse bei festgestellter Notwendigkeit einen Großteil der Kosten, in Österreich gibt es – Voraussetzung ist immer eine erhebliche Kiefer- oder Zahnfehlstellung – gar die Gratiszahnspange für Kinder. Zurecht, denn die Angelegenheit ist dann keine bloß ästhetische und kann zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen.
In Südtirol bekommen einkommensschwache Familien einen Bruchteil der Kosten rückerstattet, ein Glaggele (angesichts der hohen Kosten) gibt’s auch für alle anderen zurück – mehr nicht. Was eine Schande ist, weil andere nötige Eingriffe ja auch über den Servizio Sanitario Nazionale abgedeckt sind. Kein Wunder also, dass man versucht ist, den nächstgelegenen OBI aufzusuchen und mittels Youtube-Video zum Do-it-yourself-Kieferorthopäden zu werden. Und es dann doch bleiben lässt, weil man für seine Kinder nur das Beste will, und stattdessen zähneknirschend in die Tasche greift, darauf hoffend, dass das Ganze auch wirklich notwendig ist.
von Alexandra Kienzl | Kolumnistin, Englisch-Lehrerin und ehemalige ff-Redakteurin
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