Außensicht

Sprachhülsen: Konsequent im Blablativ

Hydration break! Ich hatte dieses Neuwort der Fußball-Weltmeisterschaften schon verdrängt gehabt. Und da schallt es mir auf eine Weise entgegen, wie es liebenswürdiger, ja unwiderstehlicher nicht passieren könnte. Ich sehe dem Spiel der Kinder in einem Sommer-­Fußballcamp in Reischach zu. Der Trainer, der gleichzeitig Schiedsrichter ist, pfeift und ruft: „Hydration break!“ Die Knirpse, alle!, haben verstanden, hören auf zu spielen und laufen ihren mitgebrachten Wasserflaschen zu.
Es ist das Wort, das von der WM 2026 bleiben wird. In Gotts Nam. Ich bin nicht von der Sprachpolizei. Aber mir kommt halt vor, wer von den Leuten verstanden werden will, sollte die Wörter nicht von zu weit herholen. Hydration break ist für Südtiroler Ohren keine Kleinigkeit, und überhaupt, es einigermaßen passabel auszusprechen („haidreischn breik“), verlangt einige Übung. Aber abgesehen davon: wozu die Mühe? Die deutsche Sprache hält für diesen zungenbrecherischen Amerikanismus einen viel treffenderen und unendlich schöneren Begriff bereit: Trinkpause. Ist das zu unsportlich? Weil es jeder Depp versteht?
Es geht dümmer. Der Gemeindenverband sieht sich neuerdings in eine „neue Ära“ aufbrechen, weil sich sein Geschäftsführer jetzt Chief Exekutiv Officer nennt (CEO – Tschudigung, müssen wir den Titel fortan ganz ausschreiben?) und sein Vize COO (wie Chief Operation Officer). Aber hallo! Sind wir ein Betrieb? Oder doch ein vom Land finanzierter Verein? Wird der nächste Landeshauptmann CEO heißen? Und wissen die, was eine „Ära“ ist?
Seit Ferdinand Willeits Gründerzeit tat’s ein „Geschäftsführer“. Was wollen der CEO und sein COO Neues zuweg bringen, was ein Geschäftsführer der alten Ära allein nicht schaffte? Wie CEO & COO mitsammen verlautbaren, wollen sie den Verband, der gern Gegenaltar zur Landesverwaltung spielt, „innovativ und konsequent weiterentwickeln“. Treibhausdeutscher geht’s nicht. Nein, geht doch: CEO & COO wollen ihre Arbeitgeber, die Gemeinden, „zukunfts­orientiert weiter stärken“.
Die „neue Ära“ kommt im Blablativ. 

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