Eine Stunde Frauenschwimmen im Lido Salurn: „Außensicht“ von Karin Köhl in ff 31/26 Verschiedene Studien aus Europa berichten, ...
Außensicht
Grüne Männlichkeit: Mander und Mandarinen
Anders als es Klischees uns glauben machen, ist der Mann das weitaus kompliziertere Geschlecht. Schielt man ihn nur einmal schief an oder kritisiert ihn mit den falschen Worten, hebt er prompt den rechten Arm, läuft zum Kalterer Dorffest und wählt rechte Spinner. Er kann quasi nicht anders, es schwitzt aus ihm heraus. „Die jungen Männer heute sind verloren“, murmeln dann entschuldigend beide Seiten der politischen Medaille und suchen nach Wegen, die verlorenen Böcke wieder einzufangen.
Selbst die Grünen glauben, dass sie vor lauter Gendertheorie die Genderpraxis vernachlässigt haben. Und gießen diese Erkenntnis in ein „Männermanifest“, in dem der Abgeordnete Zeno Oberkofler für ein Y-Chromosom mit Haltung wirbt: „Starke Männer übernehmen Verantwortung.“ Ein hehres Ziel – und sicher ein Alleinstellungsmerkmal unter den präpotenten Politmännern. Oder?
Die Tageszeitung hat die Konkurrenz-Böcke gefragt und Erstaunliches erfahren. Für Franz Locher von der SVP etwa ist ein Mann jemand, der Menschen mit Respekt begegnet, weil es entscheidend sei, „Verantwortung zu übernehmen“. Der Fratello Galateo behauptet, daheim zu bügeln und zu kochen, um „Verantwortung zu übernehmen“. Ist wenigstens Eierkönig Jürgen Wirth Anderlan ein Macho? Nö: „Ein echter Mann ist für mich jemand, der Verantwortung übernimmt“, sagt er, jemand mit „Herz und Rückgrat“.
Das Sommerloch wird in diesem Jahr verblüffend einmütig gefüllt: mit Männern, die vor Männern über Männlichkeit sprechen und sich dabei für Vorbilder halten. Wäre ich eine Frau, ich fühlte mich verarscht – oder resignierte, wie die US-Schauspielerin Lee Grant: „Ich war mit einem Marxisten und einem Faschisten verheiratet, aber keiner hat je den Müll runtergebracht.“ Kann es sein, dass sich die Jungs vor allem gerne reden hören, statt echte Probleme zu lösen? Der Grüne Oberkofler jedenfalls kämpfte kürzlich bei Südtirol Heute für das Recht des Mannes, Marketender zu werden. Grundsätzlich gern, antwortete Pepi Ploner, Chef der Südtiroler Musikkapellen. Es gebe halt nur leider keine einzige Anfrage.
von Anton Rainer | Stellvertretender Leiter des Ressorts Kultur beim Spiegel in Hamburg
Weitere Artikel
-
-
Maximilian Gasser beantwortet den ff-Fragebogen
Maximilian Gasser träumt von einer eigenen Fernsehsendung. Er kann Flugzeugtypen am Geräusch erkennen.
-
„Wie ein Freund, der nachts anruft“
Kinder sprechen heute mit der künstlichen Intelligenz, schicken ihr Fotos und stellen intime Fragen. Was das mit den Kindern macht und wie Eltern sie schützen können, erklärt Spiegel‑Bestsellerautor Daniel Wolff.
Leserkommentare
Kommentieren
Sie müssen sich anmelden um zu kommentieren.