Warum eine Organspende jede und jeden betrifft und immer freiwillig sein muss. Der Moraltheologe Martin M. Lintner über Ethik und Emotionen.
Außensicht
Pisa-Studie: Make Lesen sexy again!
Vor Kurzem ist eine liebe Kollegin plötzlich verstorben, als Deutschlehrerin hat sie sich unermüdlich fürs Lesen eingesetzt. „Lesen ist besser als Knutschen!“, erklärte sie den (sehr skeptischen) Schülerinnen und Schülern, und ich musste an ihre Begeisterung denken, als ich die jüngsten Pisa-Ergebnisse gesehen habe.
Klar, toll, wenn die deutschsprachigen Südtiroler Jugendlichen in Mathe und Naturwissenschaften besser abschneiden als ihre italienischen Kollegen und sogar über dem Mittelwert aller teilnehmenden Länder liegen, aber im Lesen, da schmieren sie im Vergleich zum Vorjahr ordentlich ab. Da ist es wenig Trost, dass die Lesekompetenzen seit Jahren überall drastisch abnehmen und Südtirol (noch) über dem staatlichen Durchschnitt liegt: Fakt ist, auch unsere Schülerinnen und Schüler können immer schlechter Texte verstehen und sich mit ihnen auseinandersetzen.
Das sind verheerende Nachrichten für die Bildung: Wie soll ich etwas lernen, wenn ich nicht mehr komplexere, längere Erklärungen oder Beschreibungen entschlüsseln kann? Wenn alles in leicht verdaulichen Häppchen serviert werden muss, damit es den Weg in meinen Frontallappen findet?
Unsere Kinder werden dümmer, machen wir uns nichts vor. Und ja, das Smartphone und seine Filmchen sind maßgeblich daran beteiligt. Es ist einfach viel attraktiver als das mitunter anstrengende weil Fantasie, Konzentration und Abstraktionsvermögen fordernde Lesen, das unser Gehirn durchknetet, Vernetzungen baut, das Gedächtnis verbessert, logisches Denken fördert. Die Zeit nennt Lesen eine „Impfung gegen die Dummheit“. Das Smartphone hingegen: geile Berieselung, auf lange Sicht fatal.
Was tun? Uns damit abfinden, dass es bergab geht mit der Intelligenz: halb so wild, wir haben ja jetzt die künstliche? Oder doch besser entgegensteuern: mit Frühförderung und Vorleseprogrammen, wie vom Bildungslandesrat angekündigt, aber vor allem mit Vorbildfunktion: Es führt kein Weg dran vorbei, selbst wieder mehr zu lesen und mit demselben gebannten Blick ins Buch zu schauen, mit dem die Kinder uns aufs Handy starren sehen. Macht auch unser Gehirn sexy again.
von Alexandra Kienzl | Kolumnistin, Englisch-Lehrerin
und ehemalige ff-Redakteurin
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