Außensicht

Kindererziehun: Es schwirrt

Helikopter landen nicht nur auf der Seiser Alm, um verwöhnte Touristen von A nach B zu bringen, sie umkreisen auch, viel profaner, Kinder auf Spielplätzen. Letzthin war an einem dieser mir wohlvertrauten Orte gefühlt jeder Zwerg von einem Erwachsenen begleitet, der, Helikopter eben, von oben über ihn wachte. Wie Body­guards erklommen die Helikopter mit ihren Schützlingen an der Hand die Rutsche, wachten an der Wippe, achteten darauf, dass die Reihenfolge in der Warteschlange streng eingehalten wurde. Es waren vorwiegend Männer, wie halt Helikopter-­Piloten auch meistens männlich sind, aber Frauen helikoptern mindestens ebenso heftig. Ein Opa, wahrscheinlich noch die Generation des „des geaht schun“, mit dem Helikopter-Modus nicht vertraut, ließ den Enkel fröhlich Kopf voraus die Rutsche runtersausen. Dort ­kreischte bereits die Oma: „Der hat ja einen Schock jetzt!“ Opa schaute traurig: schon wieder alles falsch gemacht. Oma nahm das Kind theatralisch in den Arm, um das Rutsch-Trauma zu heilen. Die Luft schwirrte vor lauter Rotoren.
Als Kind bin ich mal, mit einem kratzenden dunkel­blauen Wollkleid angetan, mit dem 12-Zoll-Radl einen kleinen Hügel runtergerauscht und kopfüber in die Brennnesseln gefallen. Das Kratzen des Wollkleids hat mich anschließend nicht mehr gestört, da hatte ich andere Probleme. Böse Zungen (meine Schwestern) behaupten, damals hätte ich mehr davongetragen als nur ein juckendes Gesicht.
Ich weiß seither, dass man um Brennnesseln einen großen Bogen machen soll und man mit Fahrzeugen, die man nicht gut beherrscht, keine gewagten Manöver wagen soll. Wenn Finni nie alleine die Rutsche runtersausen darf und sich in der Warteschlange nie behaupten muss, wenn Mami oder Papi oder Oma immer alle Hindernisse einebnen, noch bevor sie überhaupt auftauchen, was macht Finni dann, wenn die Helikopter mal nicht einsatzbereit sind?
Kinder müssen Erfahrungen machen, auch negative, damit sie für das Leben gewappnet sind. Ihnen Rückhalt zu geben und nicht jede Unannehmlichkeit a priori abzuwenden, ist keine Nachlässigkeit, sondern Weitsicht. 

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