Die Skirennläuferin verfügt über eine gute Menschenkenntnis und hat immer Eis im Kühlschrank. Ihre erste Erinnerung? Kindergarten. Thema des ...
Außensicht
Eizellen einfrieren: Auf Eis gelegt
Man kann seine Eizellen einfrieren. Ihre meine ich natürlich. Allein dieser Satz ist schon irgendwie verrückt. Vor nicht allzu langer Zeit wäre er Science-Fiction gewesen. Heute ist es eine Möglichkeit für Frauen, die zwar irgendwann Kinder möchten, aber jetzt bitte noch nicht. Social Freezing heißt das. Der richtige Partner fehlt, die Karriere läuft gut, die Wohnung muss abgezahlt werden oder das Leben fühlt sich noch nicht nach Kinderkriegen an. Also friert man die Eizellen ein.
Ich verstehe das. Und irgendwie doch nicht.
Denn wir frieren nicht nur Eizellen ein. Wir versuchen, die biologische Zeit an unser Leben anzupassen. Wir planen alles – inzwischen auch unsere Fruchtbarkeit. Was früher irgendwann passiert ist, muss jetzt in den Kalender passen. Es klingt nach Fortschritt und ist es wahrscheinlich auch. Aber vielleicht ist es auch ein bisschen verrückt, dass wir Frauen immer mehr dabei helfen, Kinder in ein Leben zu integrieren, das dafür oft gar nicht gemacht ist.
In der Toskana wird Social Freezing sogar mit öffentlichen Geldern unterstützt. Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar: Wenn es diese Möglichkeit gibt, soll sie nicht nur Frauen offenstehen, die es sich leisten können. Macht Sinn und auch nicht. Vielleicht sollten wir öffentliches Geld nicht dafür ausgeben, Frauen das spätere Kinderkriegen zu erleichtern. Vielleicht sollten wir noch mehr dafür sorgen, dass Frauen sich Kinder früher leisten – und es sich überhaupt vorstellen können.
Und dann wäre da noch die Sache mit der Kontrolle. Wir können Eizellen einfrieren. Die Zukunft leider nicht. Niemand garantiert, dass später der richtige Partner da, der Kinderwunsch noch derselbe ist oder die eingefrorenen Eizellen das halten, was wir uns von ihnen versprechen.
Natürlich kann Social Freezing für manche Frauen eine sinnvolle Möglichkeit sein. Aber ich finde es trotzdem bemerkenswert, dass wir für ein gesellschaftliches Problem eine medizinische Lösung anbieten. Ich verstehe es. Und ich will es gleichzeitig nicht verstehen.
von Karin Köhl | Nachrichtenredakteurin
und Journalistin
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