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Außensicht
Gabriele Morandell und die Region: Politisch Lied, garstig Lied
Gabriele Morandell, 58, ist also als Generalsekretärin der Regionalregierung Trentino-Südtirol zurückgetreten. Nicht ganz freiwillig, aber „auf Ersuchen“ ihres politischen Chefs (des Landeshauptmanns in seiner Eigenschaft als Präsident der Region). Der Posten war hoch dotiert, 220.000 Euro im Jahr. Dementsprechend hoch anzurechnen ist der Frau ihr „Verzicht“. Sie war zu politisch. Als Vorsitzende der „Sozialen Mitte in der SVP“ war sie das nicht nur, sondern sie sprach auch als solche, und zwar oft und deutlich. Das verträgt sich nicht mit dem institutionellen Amt, das Überparteilichkeit verlangt. Der Landeshauptmann, der sie ja selbst ernannt hat, hätte das wissen und nicht erst von der Opposition gesagt bekommen müssen.
Wie auch immer, der Fall war kein Fall Morandell, es ist ein Fall Region. Den Fall gäbe es nicht, wäre nicht diese Region Trentino-Südtirol ein vorsätzliches Falschspiel. Die Regionalverwaltung, zumal ihre Spitze, ist ein Wasserkopf, aufgeblasen zu einem Phantom von Regierung und zu nichts nutz außer zur Versorgung von abgehalfterten oder zu kurz gekommenen Prätendenten, politischen wie administrativen. Dafür braucht und gibt es sie, und keine noch so ambitionierte Autonomiereform wird sie je verräumen wollen. Sie ist der Resteverwerter oder, wenn man so will, das Flaschenlager der Landhäuser von Bozen und Trient.
Wird diese Region dereinst auch ihrer letzten Kompetenzen entledigt sein, an ihrer Spitze werden weiter Generalsekretäre bzw. -Innen sitzen und weiter Gehälter haben wie ihre offiziell gleichrangigen Kollegen in der Landeregierung und im Landtag. Die Frau Morandell wie unser Eros Magnago, der Regionalrats-Sekretär fast gleich wie der Landtagssekretär. Und zu tun? Gut möglich, dass die tüchtige Frau Morandell deshalb in die Politik-Falle getappt ist, weil sie als Generalsekretärin schlicht nicht ausgelastet war. Dass sie sich deshalb unrechtmäßig der sozialen Sache gewidmet hat, sei ihr mildernd zugutegehalten.
Ach, die Region! Ich könnte so viel sagen, wenn ich weniger wüsste.
von Florian Kronbichler | Journalist,
ehemaliger Chefredakteur der ff
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