Dreschschlegel, Strohdächer und Diskokugeln – das Volkskundemuseum in Dietenheim ist 50 Jahre alt geworden. Ein Rundgang
Außensicht
Touristen-Hubschrauber: Black Hawk Down
Es soll Leute geben, die die Ära Durnwalder noch immer für die goldenen Jahre Südtiroler Regierungspolitik halten. Unter Luis wurde gemacht statt gedacht, sagen sie, auch wenn das, was gemacht wurde, gelegentlich hart an der Grenze der Legalität vorbeischrammte. Wenn Arnos Vorgänger etwa der Meinung war, dass wieder ein paar Murmeltiere geschossen werden mussten, goss er seinen Traum in ein Dekret – und bis die italienischen Behörden die ersten Schmauchspuren sicherten, pfiffen die Murmelen schon aus dem letzten Loch. Egal, wie unmöglich man das fand, für jeden war sichtbar, dass politisches Handeln tatsächlich Konsequenzen hatte. Die toten Murmelen waren der Beweis: Durni was here.
Ich dachte an die Tiere, als ich vom Kastelruther Weiler St. Valentin las. Dort werden die Einheimischen seit Monaten von Propellerlärm gemartert, weil reiche Touristiker reichen Touristen erlauben, Schnapsverkostungen mit dem Hubschrauber anzufliegen. Die Einzigen, die das gut finden, sind die, die Geld daran verdienen – „ich muss auf mein Geschäft schauen“, sagte der Schnapsbrenner der Tageszeitung. Aber politische Konsequenzen? Sind anscheinend ausgeschlossen. Ein einstimmiges Votum des Gemeinderats verpuffte, die Landesämter schauen mehr zu als hin und SVP-Umweltchef Peter Brunner sucht die Verantwortung bei jedem außer sich selbst: Zum ersten Gesetz habe die Enac ein „negatives Gutachten“ geschrieben, sagte er, beim zweiten seien die EU-Richtlinien „komplex“, tja. Über den Wolken muss die Freiheit grenzenlos sein.
Der Widerspruch ist eklatant: Täglich erinnert man uns daran, dass unsere Autonomie vor Kompetenzen platzt. Aber vor einem Helikopter, der auf einem Schnaps-Acker landet, muss sie leider kapitulieren? Irgendetwas kann da nicht stimmen, und mir scheint, die SVP weiß das auch. Nur demonstriert sie ihre angebliche Machtlosigkeit („Wir würden ja, aber Rom/die EU/der Urzì!“) eben genauso strategisch wie früher ihre Macht. Eine Lösung wäre mehr Ehrlichkeit: Wenn man die Flüge nicht stoppen will, soll man es sagen. Oder aber man klärt die Sache per Dekret: Der Luis legt sich auf die Pirsch – und erlegt die Helikopter höchstpersönlich.
von Anton Rainer | Stellvertretender Leiter des Ressorts Kultur beim Spiegel in Hamburg
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