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Außensicht
Generation Z: Die letzte Meile
Was bin ich froh, nicht zur Gen Z zu gehören. Also zu jener Generation, die zwischen 1995 und 2010 geboren wurde und in den Arbeitsmarkt eintrudelt. Nicht nur, weil ich mein Alter inzwischen ganz okay finde. Sondern weil die Gen Z offenbar dümmer ist als wir.
Das behaupte nicht ich, sondern Studien. Sie besagen, dass historisch gesehen jede Generation klüger war als die vorherige. Bis jetzt. Die Gen Z soll zum ersten Mal weniger können als die vorherige, zum Beispiel schlechter lesen und rechnen. Schuld daran sollen Bildungssystem, Smartphones & Co sein. Dieselben Fachleute warnen aber davor, diese Generation abzuschreiben. Sie habe auch ihre Stärken.
Viele fragen sich: welche denn, bitte, außer Scrollen?
Uns springen die Schwächen der Jungen ins Auge: Sie wollen nicht arbeiten, vieles ist ihnen zu anstrengend. Die berühmte letzte Meile? Fehlanzeige. Überstunden? Nein danke. Und überhaupt: Work-Life-Balance über alles.
Und dann denke ich: Sie haben es oft angenehmer. Vor allem, wenn sie zufrieden sind. Denn viele unserer Generation und auch der davor haben die letzte Meile nicht nur absolviert. Wir haben sie gefeiert. Heute noch fertig werden. Noch eine Mail. Noch eine Stunde. Beißen. Um neun Uhr abends erschöpft nach Hause zu kommen, war kein Warnsignal. Eher ein Beweis, dass man es ernst meint.
Die Jungen fragen heute öfter: Muss das sein? Aber so einfach ist es nicht. Eine Arbeitswelt funktioniert nicht, wenn jeder nur macht, worauf er Lust hat. Aber vielleicht haben wir aus dem Durchhalten eine Tugend gemacht, obwohl es das manchmal gar nicht ist. Und vielleicht zählt künftig weniger, wer alles weiß, sondern wer mit all den Möglichkeiten etwas anfangen kann.
Die Gen Z wird anders arbeiten und Erfolg auch anders definieren. Ob das besser ist? Keine Ahnung. Aber wahrscheinlich wäre es klug, nicht jede Überstunde mit Ehrgeiz zu verwechseln. Und vielleicht ist sie gar nicht die Generation, die nicht mehr bis zur letzten Meile gehen will, sondern nur die erste, die fragt, ob es dort überhaupt noch etwas zu holen gibt. Und ob das wirklich dümmer ist? Ich bin mir da inzwischen nicht mehr so sicher.
von Karin Köhl | Nachrichtenredakteurin
und Journalistin
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