Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

Aus ff 22 vom Donnerstag, den 01. Juni 2017

Alexandra Aschbacher und Christian Wiedermann
„Die ethnische Komponente am Bozner Krankenhaus und warum etwas passiert oder nicht, ist oft schwer zu verstehen“: Nach 14 Jahren als Primar der Inneren Medizin am Krankenhaus Bozen kehrt Christian Wiedermann Südtirol den Rücken. Warum, erklärt er im ff-Interview, ab Seite 42. © Alexander Alber
 

Notfälle können jederzeit und überall passieren. Darauf vorbereitet ist man freilich selten bis nie. Deshalb gibt es ja auch Einrichtungen, politische, soziale, medizinische, die Menschen in Not aufnehmen und versorgen. Unabhängig davon, wer sie sind und woher sie kommen. Zum Beispiel die Notaufnahme am Bozner Krankenhaus. Kaum ein Tag, an dem diese zurzeit nicht in die Schlagzeilen gerät. Wir haben mit einem gesprochen, der diesen Notstand mit der Notaufnahme seit Jahren gut kennt: Christian Wiedermann ist seit rund 14 Jahren Primar der Inneren Medizin am Bozner Krankenhaus, es ist die größte Krankenhausabteilung im ganzen Land. Sein Vertrag wäre bis Januar 2019 gelaufen, er aber zog die Reißleine und verlässt jetzt das Südtiroler Gesundheitswesen. Über seine Beweggründe, das Dilemma Erste Hilfe und seine berufliche Zukunft haben wir mit ihm gesprochen – das Interview gibt es ab Seite 42: „Es herrscht ein System der Gleichmacherei“.

Einen Dauernotstand gibt es mittlerweile auch in puncto Flüchtlinge. Während die Sozial­landesrätin frohe Botschaften verkündet, wenn es um Asylbewerber geht, leben rund 200 Flüchtlinge in Südtirol auf der Straße. Die großen Zentren arbeiten mangelhaft. Georg Mair hat sich in der Landeshauptstadt in den vergangen Wochen genauer umgeschaut, hat mit Flüchtlingen geredet, mit Helfern, Beamten und Vertretern der Politik. Eine freiwillige Helferin sagte ihm: „Das Wegschauen der Politik hat System.“ Wir wollen nicht wegschauen und versuchen in unserer Titelgeschichte den Notstand und die Nöte aufzuzeigen: „Dienst nach Vorschrift“, ab Seite 22.

Schon der Zauberlehrling von Johann Wolfgang von Goethe wusste um die Not, als er rief: „Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los!“ Ein bisschen erinnert das sowohl an die Wohn- als auch die Sprachpolitik des Landes. Bei beiden Themen steckt die Politik in Erklärungsnot – die Hintergründe haben Anton Rainer und Karl Hinterwaldner recherchiert. Rainer zu den schlechten Zweitsprachenkenntnissen („Großes Missverständnis“ ab Seite 14), Hinterwaldner zum teuren Wohnraum („Die ­Beitragsfalle“, Seite 38).

Wir wünschen Ihnen eine anregende ff-Lektüre!

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