Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

Anton Rainer und Graf Michael Enzenberg
Anton Rainer hat für seine Titelgeschichte über das „Bauern­theater“, den Aufstand der Südtiroler Bauern, mit Graf Michael Enzenberg gesprochen: Der Landwirt, der biodynamisch arbeitet, war ungewollt auf dem Antipestizidplakat des Münchner Umweltinstituts abgebildet. © Alexander Alber
 

die Bauern sind eine Minderheit im Land, dennoch gibt es keine Berufskategorie in Südtirol, die so gut organisiert ist wie sie. Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthalter, auch Präsident des Südtiroler Wirtschaftsrings, begreift seinen Verband als „Gewerkschaft“ der Bauern – die „richtigen“ Gewerkschaften werden den Bauernbund um ­seine Schlagkraft beneiden.
Im Moment probieren die Bauern aus, wozu sie imstande sind. Widerstand gegen Wolf und Bär, gegen das Verbot der Ausbringung von Pestiziden in der Gemeinde Mals (immerhin vom Volk in einem Referendum beschlossen), die Anzeigen gegen den Filmemacher und Buchautor Alexander Schiebel. Anton Rainer hat für die aktuelle Titelgeschichte (Nie wieder Bauernopfer, ab Seite 14) recherchiert, wie die Bauern Einfluss auf Politik und Gesellschaft nehmen. Stehen die Bauern, hat er sich gefragt, zu Recht am Pranger?

In der öffentlichen Wahrnehmung ist Südtirol immer noch Bauernland. Dabei ist die Wertschöpfung durch Tourismus und Industrie schon lange höher, inbesondere durch das produzierende Gewerbe. Norbert Dall’Ò zeigt in seiner ­Geschichte Fuß aufs Gas (ab Seite 24) ein Beispiel für Hochtechnologie und globale Wirtschaft in Südtirol – das Technologiezentrum Noi in Bruneck und die GKN, ein Weltkonzern mit insgesamt 56.000 Mitarbeitern, der neue Werke in Welsberg und Sand in Taufers eröffnet. Südtiroler Unternehmen, so das Ergebnis seiner Recherchen, nehmen als Zulieferer für die Automobilindustrie eine Schlüsselrolle in Europa ein.

Landwirtschaft, Industrie und Tourismus sind die wichtigsten Branchen im Land. Nirgendwo sonst gibt es so viele Sterne-Restaurants auf so kleinem Raum. Hier ist Südtirol eher untypisch, typisch ist für die Branche, dass Frauen nur selten einen Stern bekommen. In Südtirol ist Anna Matscher vom Löwen in Tisens die einzige Sterneköchin. Sie kann erzählen, was es heißt, ihn zu bekommen, zu verlieren und ihn sich wieder zu erkämpfen. Matscher hat eine ganz eigene Geschichte zu erzählen, sie hat sich das Kochen selber beigebracht. Markus Larcher hat diese Ausnahmefrau porträtiert (Anna, die Erste, ab Seite 57). 

Wir wünschen Ihnen eine anregende ff-Lektüre!

weitere Bilder

  • Markus Larcher und Anna Matscher

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