Editorial

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Editorial 01/21
Die ff und die Schützen im Wandel der Zeit: In ihrem 40-jährigen Bestehen hat dieses Magazin immer wieder über den Südtiroler Schützenbund geschrieben. In der aktuellen Ausgabe zeigen wir die Hintergründe auf zum Rap-Video von Jürgen Wirth Anderlan und dessen Rücktritt als Landeskommandant. © FF Media
 

Aus ff 02 vom Donnerstag, den 14. Jänner 2021

was ist Tradition? Und wie weit kann man sie modernisieren, ohne sie zu zerstören? Fragen, die sich jedes alte Kulturgut früher oder später stellen muss. Die Schützen etwa haben ihre große Karriere hinter sich. Und gerade deshalb benötigt dieser altehrwürdige Traditionsverein ein Update.

Seit Jahren kämpfen die Schützen regelrecht um ihre Tradition, sie zerren an ihr, in jede Richtung. Die einen wollen zurück ins Früher. Die anderen träumen von einem Verein 4.0. Und dann kam zu Neujahr der Landeskommandant Jürgen Wirth-Anderlan mit seinem Rap-Video. Doch ging dieser Schuss gewaltig nach hinten los: Der 49-Jährige musste seinen Hut nehmen, nachdem er erst im April 2019 mit 96 Prozent zum Chef des Schützenbundes gewählt worden war. Damals meinte er noch mit Blick auf den von den Schützen verehrten Volkshelden Andreas Hofer: „Ich hoffe sehr mit einem besseren Ende für mich.“

Über sein Ende als Landeskommandant, die Hintergründe dazu und wie es nun mit dem Verein weitergeht, hat Karl Hinterwaldner für die Titelgeschichte recherchiert: ab Seite 22.

Ein Hotel mit Tradition ist das Hotel Eberle in St. Magdalena bei Bozen. Heute wird es in dritter Generation geführt, angefangen hatte alles mit einem einfachen Kiosk. Am vergangenen Dienstag zerstörte ein gewaltiger Felssturz einen Großteil des Hotelgebäudes. Naturkatastrophen wüten immer stärker, in Südtirol ebenso wie in vielen anderen Ländern. Dies geht auch aus dem Weltkatastrophenbericht 2020 hervor: Seit den 60er-Jahren steigt die Zahl der Extremwetterereignisse, in den vergangenen 30 Jahren ist sie um fast 35 Prozent angestiegen. Wie sicher ist da ein Land wie Südtirol? Norbert Dall’Ò hat rund um den Felssturz beim Hotel Erberle recherchiert – die Geschichte dazu finden Sie ab Seite 38.

Traditionsbehaftet ist in gewisser Weise auch die US-Demokratie, immerhin die älteste bestehende Demokratie. Sie gründet sich auf die 1787 verabschiedete Verfassung. Vergangene Woche erstürmten Trump-Anhänger mit Gewalt das Kapitol. Es war ein Angriff auf die Demokratie. Georg Mair hat Franz Eder zum Thema interviewt. Eder ist Assistenzprofessor für Internationale Politik an der Uni Innsbruck, ein Experte für Sicherheitspolitik und Amerika (ab Seite 32).

All diese Ereignisse zeigen uns: Nichts bleibt, wie es immer war. Spätestens mit Corona müsste das allen klar sein. Wir befinden uns quasi in einer Zwischenwelt. Das Alte verabschiedet sich, das Neue ist noch nicht da. Alles ist im Wandel, darin steckt oft auch viel Gutes. „Es wird die Zeit mit sich bringen, dass wir bestimmte Dinge von Grund auf neu denken“, sagt Landesrat Philipp Achammer im ff-Interview ab Seite 16. „Gerade auch in der Wirtschaft oder im Bildungsbereich. Da ist alles denkbar.“

Wir wünschen Ihnen eine anregende ff-Lektüre

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