Beim ersten Anruf in der Kanzlei antwortet Giuseppe Thomaser spontan: „Sie möchten wahrscheinlich meine Frau sprechen.“ Seine Ehefrau und Partnerin in der Kanzlei ist Julia Unterberger, die Politikerin. Normalerweise muss Thomaser einfach weiterverbinden. Dieses Mal ist es anders. Wir treffen den Anwalt, um mit ihm über das Ende der Liebe zu sprechen – Thomaser ist einer der bekanntesten Scheidungsanwälte im Land. Giuseppe Thomaser (Jahrgang 1966) ist in Bozen aufgewachsen, hat in Padua studiert
Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
Aus ff 47 vom Donnerstag, den 20. November 2025

es gibt einen Spruch, der gerne zitiert wird, wenn es um Anwältinnen und Anwälte geht (man könnte ihn genauso gut auf Ärztinnen oder Mechaniker ummünzen): Besser man sieht sie nicht. Sie sind dennoch eine wichtige und einflussreiche Berufskategorie: Sie beraten, sie schlichten, sie garantieren, dass in Prozessen Menschen vor Gericht vertreten werden.
Das Recht ist ein breites Feld – und es wird immer komplexer. Europäisches Recht, staatliches Recht und Südtiroler Gesetzgebung überschneiden sich. Manche gehen gerne auf die Bühne, sind sichtbar, wie die Strafrechtlerinnen; manche versuchen, Streitigkeiten unauffällig zu lösen, wie Verwaltungsrechtler. Und sie sind oft bemüht – entgegen ihrem Ruf –, Fälle außergerichtlich beizulegen.
In dieser Nummer finden Sie in der Titelgeschichte auf 44 Seiten die einflussreichsten Südtiroler Anwältinnen und Anwälte – eingeteilt in acht Kategorien, eingeleitet von je einem längeren Interview. Wir erlauben uns nicht zu bewerten, wer die Besten sind, sondern wer wirtschaftliches Gewicht und gesellschaftlichen Einfluss hat. In die Bewertung flossen Spezialisierung, prominente Fälle, Mandantenprofil, Medienpräsenz und Kanzleigröße ein. Ab Seite 20.
Astrid Marsoner ist Hausärztin in Niederdorf, sie kennt ihre Patientinnen und Patienten gut, sie kommt auch am Wochenende, wenn man sie braucht. Doch jetzt, sagt sie, funktioniere die medizinische Nahversorgung nicht mehr. Der Grund: die Einrichtung der Gemeinschaftshäuser. Hausärztinnen und Hausärzte zeigen sich schon lange skeptisch, wenn es um deren Einrichtung geht. Die Politik wollte nichts davon hören. „Jetzt“, sagt Marsoner, „eskaliert die Lage.“ Silke Hinterwaldner hat aufgeschrieben, warum die Mediziner, die sich als Erste um unsere Gesundheit kümmern, in Bedrängnis geraten. Ab Seite 16.
Bis „Zweitland“ in die Kinos kam, hat es lange gedauert. Jetzt hat der Film in Südtirol Premiere. Markus Larcher hat ihn gesehen. Und er hat mit dem Produzenten Martin Rattini darüber gesprochen, wie schwer es ist, das Geld für einen solchen Film aufzutreiben. Ab Seite 70.
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Beniamino Migliucci, 69, zählt zu den renommiertesten Strafverteidigern im Land. Er ist Präsident der Stiftung der Vereinigung der italienischen Strafkammern und Mitglied der Ministerialkommission zur Änderung der Strafprozessordnung, die 2023 eingerichtet wurde. Der seit 41 Jahren praktizierende Anwalt ist italienweit tätig, in seiner gleichnamigen Bozner Kanzlei sind drei weitere Anwälte tätig, darunter sein Sohn, Luca.

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