Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

Andrej Werth im Nostalgie-Büro von Sven Knoll. Was er dort gesehen hat, lesen Sie in der Titelgeschichte, die Werth zusammen mit Alexandra Asch­bacher geschrieben hat. Das Telefon, um 1890 hergestellt, funktioniert übrigens. Ab Seite 16. © Alexander Alber
 

die Südtiroler Freiheit ist die Partei, die in den sozialen Medien sehr präsent ist, mehr als die anderen Parteien. Sie versteht es, Stimmung zu machen, Ressentiments zu schüren. Sie zieht viele junge Leute an, sie unterhält gute Kontakte zur (in Teilen rechtsextremen) AfD, die gerade in Deutschland (Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern) die Landtagswahlen gewonnen hat. Man lädt sich gegenseitig ein. Von der AfD hat sich die Südtiroler Freiheit einiges abgeschaut, wie auch von der FPÖ. Im Südtiroler Landtag ist sie mit vier Abgeordneten vertreten.
Alexandra Aschbacher und Andrej Werth haben über Monate für die Titelgeschichte in diesem Heft recherchiert, wie die führenden Köpfe der Partei ticken, wie die Partei sich in den vergangenen Jahren radikalisiert hat, welche Methoden sie anwendet und warum sie damit Erfolg hat. Ab Seite 16. Aaron Gottardi, Politikberater aus Neumarkt, analysiert im Interview die Social- Media-Strategie der STF. Ab Seite 25.
Sara Ostertag ist aus Wien nach Bozen gekommen, um für die Vereinigten Bühnen Bozen den Roman „Eva schläft“ von Francesca Melandri („Eva dorme“ im italienischen Original) auf die Bühne zu bringen. Der Roman war in Südtirol ein literarischer Kasus, das erste Mal, so der Tenor, betrachtet eine italienische Autorin Südtirol nicht mehr aus einer nationalistischen Perspektive. Welchen Blick auf Südtirol Sara Ostertag gewonnen hat, wie sie den Stoff in ein Stück gefasst hat, mit welchen Mitteln sie arbeitet, darüber hat sie mit Georg Mair gesprochen. Ab Seite 52. Ostertag ist auch Teil des Teams der Performerin Florentina Holzinger, die zeigte ihre Show am vergangenen Samstag im Europastadion in Bozen: Heißluftballon, Glocken, Blasmusik, durchdrehende Autos. Georg Mair hat es sich angeschaut. Ab Seite 59.
Eine besondere Frau hat unsere Mitarbeiterin (und Kolumnistin) Alexandra Kienzl getroffen: Rosalyn D’Mello, Autorin, Kunstkritikerin und Feministin aus Indien, die in Tramin lebt. Ihr Buch „Gestillte Zeit“ ist gerade in der Edition Raetia erschienen. D’Mello fragt sich etwa: „Wo sind die zornigen Frauen hier, in Indien sind wir da weiter.“ Das Porträt lesen Sie ab Seite 60. 

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