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Geschichte von rechts

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ff 20/18 berichtete über die Ausstellung „BAS-Opfer für die Freiheit“. Hier die Replik von Kurator Hubert Speckner.

„Man bringt sich ins Gerede, jeder weiß, dass eine solche Ausstellung wenige Monate vor den Landtagswahlen unweigerlich Polemiken erzeugt“, weiß der „Historiker“ Leopold Steurer.
Mit dieser „Lehrmeinung“ befindet sich der pensionierte Lehrer in guter Gesellschaft: Alessandro Urzi hegte zwei Tage vor der Eröffnung der Ausstellung „BAS – Opfer für die Freiheit“ – ähnliche Bedenken hinsichtlich der zu erwartenden Polemiken im Alto Adige. Wohlgemerkt, ohne die Ausstellung bis dahin gesehen zu haben. Nun, bei Leopold ­Steurer lagen die Dinge kaum anders. Er besuchte die Ausstellung in den Lauben 9 höchstselbst am 16. Mai, als die Nr. 20 der ff zweifelsohne schon im Druck war.
Georg Mair besuchte die Ausstellung immerhin schon am 11. Mai und wurde von mir als Kurator durch die Ausstellung geführt, allein das Zuhören dürfte nicht zu den ausgeprägten Stärken des stellvertretenden Chefredakteurs der ff zu gehören.
Das dürfte aber auch nicht nötig sein, da Mair die „Lehrmeinung“ des linken Südtiroler „Ziehvaters“ Leopold Steurer verinnerlicht zu haben scheint und demzufolge allerlei „rechte“ Versuche ortet, die Südtiroler Geschichte „umzudeuten“.
Leopold Steurer liegt zweifelsohne die „Geschichtsschreibung“ nach seiner Geschichtstheorie – er bezeichnete sich seinerzeit gemäß Zeitzeugen an der Universität Wien als „Maoist“ – ungemein am Herzen. Mehr jedenfalls als die „Geschichtsforschung“. Steuer neigt dazu, Forschung, die mit seiner Ideologie nicht in Einklang zu bringen ist, als „reine Spekulation“ zu bezeichnen, zumal wenn sie seine „Alleindeutungshoheit“ der Südtiroler Zeitgeschichte ins Wanken bringt.
Dies scheint umso bemerkenswerter, als Steurer zu den 1960er Jahren selbst nie wirklich gearbeitet hat und man in der Geschichtswissenschaft eigentlich von „Thesen“ statt – abwertend – von „Spekulation“ spricht. Vor allem, wenn man nicht imstande ist, den Gegenbeweis anzutreten!
Georg Mair geht es augenscheinlich vorrangig darum, jene Personen, die mit der Ausstellung zu tun haben, ins „rechte“ und „rechtsextreme“ Eck zu stellen und natürlich die Laurin-Stiftung, in der sich „Rechtsextreme tummeln“ und deren Vermögen von „unklarer Herkunft“ ist. Von mir auf Franz Gschnitzer als einem der Gründer und der eindeutig nicht „arisierten“ Herkunft der Finanzmittel angesprochen, konnte Mair augenscheinlich mit dem Namen Franz Gschnitzer wenig anfangen.
Dementsprechend geht es in Mairs ­Artikel auch kaum um die Ausstellung – die nichts mit den Landtagswahlen zu tun hat und als „Dauerausstellung“ konzipiert ist. Mair bedenkt die Gestaltung, den Eindruck und die in der „Opferwand“ klar erkennbare Intention, von allen „Opfern für die Freiheit“ zu sprechen, in keiner Weise. Dafür erkannte er augenblicklich die Intention der Kuratoren und Gestalter, „Geschichte zu schreiben oder umzuschreiben“. Die BAS-Aktivisten würden als „Helden“ dargestellt und ich wolle „das Bild von den Attentätern als Rechtsextremisten und Nazis zurechtrücken“. Damit wird Georg Mair widersprüchlich, denn „in Wirklichkeit behauptet das eigentlich niemand mehr, nicht einmal mehr italienische Autoren“. Wo liegt also das Problem, wo liegt der Versuch, Geschichte „umzudeuten“?
Übrigens: Ich bin seit fast zehn Jahren Historiker an der Landesverteidigungsakademie in Wien, nur zum Zweck der „Genauigkeit und Vollständigkeit“. Und wo in der Ausstellung ist von „Helden“ die Rede?

Hubert Speckner, Wien

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