Leserbriefe

Patienten und heimliche Patienten

Aus ff 28 vom Donnerstag, den 14. Juli 2022

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Bettenstopp? Gastkommentar von Hans Heiss in ff 27/22

Ich bin ein längst pensionierter Kleinstunternehmer, der seine Rente durch Vermieten von Ferienwohnungen aufbessert. Daher kann ich gar kein Gegner des Fremdenverkehrs sein. Und doch werde ich hier einige Aspekte kritisch beleuchten.

Es wird zum Beispiel vom Hotelier, Gastwirt, Unternehmer, Handwerker und Bauer alles daran gesetzt, Obstklauber, Arbeiter, Angestellte, Sozialbetreuer und viele mehr ohne Rücksicht auf Sprache und Herkunft anzuwerben und anzustellen, ohne Rücksicht auf die Frage, wie viel verträgt Südtirol, wie viel vertragen unsere kleinen Volksgruppen.

In Gröden verdient die Lehrerin oder der Postangestellte in etwa gleich viel wie in anderen Teilen unseres Landes. Das Leben ist aber mindestens 20 Prozent teurer. Der Kauf einer Wohnung ist für sie hier unerschwinglich. Eine Wohnung kostet in Gröden doppelt bis dreimal so viel wie in anderen Tälern. Gekauft werden Wohnungen von superreichen Ortsfremden. Die IDM will Südtirol zur begehrtesten Urlaubsregion machen. Warum stoppt die Politik nicht ein solches Ansinnen? Wollen unsere Politiker und Wirtschafts-treibenden wirklich die geschilderte Situation auf das ganze Land ausweiten?

Ist es nachhaltig, wenn eine Wirtschaftspolitik betrieben wird, die sogar den Mittelstand in die soziale Abhängigkeit abrutschen lässt, wenn Hunderte private Freibäder den Winter über geheizt werden, der Verkehr immer schlimmer wird?

Aus wirtschaftspolitischen Überlegungen oder aus Bequemlichkeit wird auf den Gebrauch unserer Sprache verzichtet. Es heißt jetzt etwa Dolomites Gardena, Skigebiet Carezza oder Alta Badia. Es hat nicht die nationale Politik gebraucht, um unsere angestammten Namen in den Schatten zu stellen. Wir machen es aus Liebe zum Geld schon selber.

Ich wünsche mir einen Tourismus, der zum sozialen Ausgleich beiträgt, der nicht nur an das Immer-mehr und Immer-größer denkt, sondern auch an die immer stärker erkennbaren unliebsamen Folgen einer solchen Haltung.

Leo Moroder, St. Ulrich/Gröden

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