Leserbriefe

Kein Buongiorno

 

ff 2/26 über den Wunsch der Eltern nach mehr Italienisch im Kindergarten. Doch die Politik mauert. Warum bloß?

Es gibt bei uns, und das auch in ländlichen Gegenden, Leute, die ihre Kinder zweisprachig erzogen sehen wollen, auch schon im Kindergarten. In verflossenen Jahrzehnten hielt die Landesregierung eisern an der Trennung zwischen den Sprachgruppen fest. Wie man heute sehen kann, gibt sich die Politik immer noch stur.
Der Verfasser dieser Stellungnahme kennt mehrere ethnische Minderheiten und kann den Schluss ziehen: Südtirol ist ein Einzelfall. Beispielsweise gibt es in der Region València, wo an der Küste das Valencià, eine Variante des Katalanischen, und im Innern das Kastilische, „Spanisch“, gesprochen wird, keine Schulen in der einen oder anderen ­Sprache. In allen Schulen der Autonomen Gemeinschaft wird nach einem „immersió“ genannten Modell in ­beiden Sprachen der Region unterrichtet, ein Schulabschluss gilt automatisch als Zweisprachigkeitsnachweis.
Dabei sieht es nicht danach aus, als würde die valencianische Regionalsprache darunter leiden, es kommt auch zu keinen Interferenzen zwischen dem Valencià und dem Castellano, obwohl beide Idiome zur romanischen Sprachenfamilie gehören.
Zweisprachige Ortsschilder gibt es nicht, jede Gemeinde konnte nach Ende der Diktatur und nach Inkrafttreten der spanischen Verfassung entscheiden, wie ihr Ort heißen sollte. An Zug- oder Busbahnhöfen werden auf den elektronischen Anzeigetafeln die Züge in der Sprache der Endstation angegeben.
Ein Kuriosum ist, dass in der Hauptstadt València das Kastilische die Mehrheit stellt und trotzdem die Hinweise auf Valencianisch angebracht sind. All diese Gegebenheiten setzen ein hohes Niveau der Zweisprachigkeit voraus, das nur über Schulen vermittelt werden kann, die perfekt zweisprachig sind.
Hierzulande waren einst Dickschädel an der Macht, die an der Trennung zwischen den beiden Sprachen wie an einem heiligen Gesetz festhielten, doch auch die jüngere Generation scheint sich von den Altvorderen nur dadurch zu unterscheiden, dass sie sehr fit in der digitalen Kommunikation ist.
Einerseits wird bei uns Zweisprachigkeit in öffentlichen Bereichen eingefordert, die Schule, die junge Menschen auf das Leben vorbereiten sollte, orientiert sie jedoch nicht in Richtung einer zweisprachigen Gesellschaft.
Außerdem: Wenn Eltern Zweisprachigkeit auch im Kindergarten wünschen und die Landespolitik diesem Wunsch die kalte Schulter zeigt, lässt dies auf Paragraphenreiterei oder Halsstarrigkeit, aber auf keinen Fall auf Veränderungswillen schließen.
Sind all das nicht Symptome geistiger Armut?
Georg Lezuo, Bozen

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