Leserbriefe

Die Welt des Krieges.

Aus ff 04 vom Donnerstag, den 22. Januar 2026

Auszug aus dem Buch von Astrid Kofler in ff 3/26: Von Rückkehr, Flucht und Suche nach Heimat

Wie ist es möglich, dass im Auszug aus dem Buch von Astrid Kofler, in dem die Lebensgeschichte von Anna Degasperi Gius erzählt wird, mit keinem Wort auf die slowenische Bevölkerung eingegangen wird, die vertrieben wurde, um für die Südtiroler Umsiedlerinnen und Umsiedler Platz zu machen?

Claus Gatterer, der so oft zitierte „Vater der Südtiroler Geschichtsschreibung“, hat immer betont, dass die Geschichte nur dann verstanden werden kann, wenn auch die Perspektive der „anderen“ mitbedacht wird. „Mettersi nei panni altrui“ – diese Formulierung nahm Claus Gatterer ernst. Leider tun sich die Menschen in Südtirol immer noch sehr schwer damit.

Dabei geht es mir nicht um eine Kritik an den Zeitzeugen, deren Erfahrungen, Traumata und Verarbeitungsweisen respektiert werden müssen. Aber dass jene, die diese Erinnerungen publizieren, dafür keine Zeile übrig haben, auf jede Kontextualisierung und jeden kritischen Kommentar verzichten, das zeigt, wie sehr wir noch in unserem beschränkten Selbstverständnis als die ewigen Opfer gefangen sind. Die ff will da offensichtlich keine Ausnahme machen.

Martha Verdorfer, Bozen

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