Leserbriefe

„Ich sage: Getraut euch“

 

Schule neu denken? Interview mit Landesschuldirektorin Sigrun Falkensteiner in ff 5/26

Liebe Frau Falkensteiner,
gerne höre ich Ihnen zu, wenn Sie über Schule und Schulentwicklung sprechen; vielen Ihrer theoretischen Ansätze pflichte ich durchaus bei. Doch nach der Lektüre des Interviews bleibt bei mir ein seltsames Nachhallen zurück. Denn: Die Realität unserer Schulen erkenne ich in dieser rhetorischen Glätte leider nicht wieder. Wie war das noch mal mit den vielen zur Verfügung stehenden Integrationsstunden? Da klaffen Wort und Wirklichkeit doch arg auseinander. Erlauben Sie mir, das aus meiner Perspektive als Kunst- und Theaterpädagogin an einer Mittelschule zu beleuchten. Im Theaterunterricht gibt es eine goldene Regel für das Improvisieren: Man muss die Ideen der Mitspieler:innen aufnehmen. Wir nennen das „Angebote akzeptieren“. Nur wenn ich auf das reagiere, was mein:e Partner:in mir tatsächlich gibt, entsteht eine lebendige, wahrhaftige Szene. Das Gegenteil davon nennen wir „Blockieren“. Wer blockiert, ignoriert die Impulse des Gegenübers, beharrt stur auf seinem eigenen Skript und lässt die Szene damit ins Leere laufen.
Leider beschleicht mich das Gefühl, dass auch in der Landesregierung mitunter ­leidenschaftlich „blockiert“ wird. Nehmen wir als aktuelles Beispiel den Italienischunterricht an unseren Kindergärten und Schulen. Hier kommt von den „Mitspieler:innen“ – den Eltern, den Lehrpersonen, der Gesellschaft – ein klares, drängendes Angebot: der Wunsch nach Öffnung, nach realer Mehrsprachigkeit. Und die Regie? Sie hält stur am alten ­Textbuch fest. Ein Zitat von Landesrat Achammer bringt dieses Blockieren auf den Punkt: „(...) die Kinder im Kindergarten sollen spielen und nicht mit gezielten Sprachkursen über­fordert werden (...).“
Als Theaterpädagogin muss ich hier widersprechen: Wer Sprache und Spiel als Gegensätze konstruiert, hat das Drehbuch kindlichen Lernens nicht gelesen. Anstatt den Ball aufzunehmen, wird das Angebot ignoriert oder in bürokratischen Floskeln erstickt. Lassen Sie uns Ihre Vision der „Öffnung von Schule“ doch einmal konsequent vom Ende her denken: Wenn der Vorhang fällt und die Inszenierung gelungen sein soll, müssen wir von den schönen Worten ins Tun kommen. Doch ohne Ressourcen ­wälzen Sie die Verantwortung schlicht ­wieder nach unten ab. Eine Inszenierung ohne Budget und Requisiten kann auch das beste Ensemble nicht retten.
Ich erlebe im Kollegium eine große ­Bereitschaft für Innovation, doch diese Motivation kippt zusehends in Frustration, wenn die Unterstützung ausbleibt und ­Projekte an der Realität zerschellen.
Our hands are open, liebe Frau Falken­steiner. Unsere Hände sind offen – betrachten Sie das als unser „Angebot“ an Sie.
Sorgen wir gemeinsam dafür, dass Ihren Worten nun Taten folgen.

Silvia Krapf, Kunsterzieherin und Theaterpädagogin an der Mittelschule Röd in Bruneck

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