Leserbriefe

„Lehrer müssen von ihrer Bühne heruntersteigen“

Schule radikal anders machen: Interview mit dem Erziehungswissenschaftler Stefan Ruppaner in ff 4/26

Ich kam von der Industrie und war als Berater in Schulen unterwegs. Für meine Orientierung bat ich dort, man möge den Begriff „Lernen“ definieren.
Es wurden viele schöne Wege und Methoden erklärt, wie man Fertigkeiten, aber vor allem Informiertheit vermittelt. Informiertheit, die von der Gesellschaft Wissen genannt wird. Da gibt es aber eine Definition, die tiefer greift: „Lernen ist Transformation von Wissen in gelebte Gewohnheit.“
Betrachten wir nun unsere gewohnte Veranstaltung Schule von der Tun-Seite her, dann stellen wir fest, dass es sich hauptsächlich um Dasitzen und Vorschriftenabarbeiten handelt. Die Ausbildung dieser gelebten Gewohnheit erfolgt nicht erst an den Bildungsuniversitäten, sondern bereits ab der ersten Klasse Grundschule, und sie pflanzt sich in den Büros unserer Alltagswelt fort. Denn, was ist die allseits beklagte Bürokratie anderes, als sich hinsetzen und Vorschriften abarbeiten?
Das wohl größte Problem ist somit, dass diese Gewohnheit in uns tief eingeprägt ist. Das heißt, wollten wir Schule ändern, müssten wir als Gesellschaft in erster Linie unser Verständnis von Schule über Bord werfen.
Hans Tappeiner, Latsch

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