Leserbriefe

Sanchez macht es anders

Jenseits des Brenners: Kolumne in ff 10/26

In der Kolumne ist von „einer halben Million Ausländer …“ die Rede. Hier stellt sich mir die Frage, ob der Terminus „Ausländer“ passend ist, wenn wenige Seiten weiter über die Demons­trationen in Bozen berichtet wird. Zudem frage ich mich, ob die Verwendung dieses Begriffs bereits eine politische Positionierung darstellt, da der Begriff heute negativ konnotiert ist und auf eben jenen Demos in Parolen wie „Ausländer raus“ auftaucht.
Jede Person mit festem Wohnsitz und/oder Zugehörigkeitsgefühl zu einem Ort oder zu Menschen ist anderswo fremd. Auch ich bin außerhalb Italiens eine Ausländerin, stelle mich aber dennoch als Italienerin vor, wenn mich meine Mitstudierenden in Österreich fragen, woher ich komme.
Der Ausdruck reduziert Menschen auf eine einzige Eigenschaft: ihre Nicht-Zugehörigkeit. Andere Facetten ihres Seins – ob Mutter, Vater, Lehrkraft oder Ärztin – stehen im Schatten des Wortes „Ausländer“.
Die Macht von Worten ist in einer Zeit, in welcher Begriffe wie „Remigration“ zunehmend salonfähig werden, größer denn je. Umso wichtiger erscheint mir deshalb ein sensibler Sprachgebrauch, um Personengruppen nicht (unbeabsichtigt) zu stigmatisieren.
Amelie Pixner, Jenesien

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