Eiskalt kalkuliert: woher die Hackschnitzel kommen, die in Südtirols Fernwärmewerken verheizt werden. Und was das für die Zukunft bedeutet.
Leserbriefe
Leserbriefe ff23-26
Die Reform-Show
Titelgeschichte in ff 20/26 über die Landesregierung, die sich schwer damit tut, die Schule zu reformieren
Mit großer Rührung durfte man lesen, wie Harald Stauder den Eltern dankt, die nun bei Schulausflügen, Zitat, „zusätzliche Verantwortung übernehmen und Zeit und Energie für ihre eigenen Kinder investieren und dafür sogar Urlaubstage opfern“. Welch dramatische Zustände! Fast könnte man meinen, genau das hätten Lehrerinnen und Lehrer jahrzehntelang ebenfalls getan, allerdings still, selbstverständlich und gratis.
Ausflüge organisieren sich leider nicht von selbst. Lehrpersonen planten, begleiteten und hafteten bisher nebenbei, ohne Bezahlung und oft auf Kosten ihrer eigenen Freizeit. Dass diese Gratisarbeit nun fehlt, scheint Herrn Stauder vor allem deshalb aufzufallen, weil plötzlich Eltern merken, wie viel Aufwand dahintersteckt. Besonders beruhigend ist dabei, dass ein SVP-Mandatar mit solchen Erkenntnissen offenbar demnächst Bildungslandesrat werden möchte. Wer es schafft, in einem ganzen Posting die Arbeit der Lehrkräfte mit keinem Wort wertzuschätzen, beweist eindrucksvoll, wie wenig Verständnis seitens einer Partei, die 80 Jahre ohne Unterbrechung regiert, für den Schulalltag vorhanden ist.
Vielleicht sollte man den Protest der Lehrpersonen künftig tatsächlich als pädagogisches Projekt betrachten: „Lernen durch Realitätsschock“. Offenbar erkennen nun sogar manche SVP-Politiker, wie viel Schule außerhalb der Unterrichtsstunden bisher funktionierte, solange jemand bereit war, dafür gratis zu arbeiten.
Florian Leimgruber, Sand in Taufers
-
Er hat es geschafft
Titelgeschichte in ff 21/26 darüber, was die Autonomiereform
wirklich bringt
Wenn es darum geht, Selbstbestimmungsrechte und Autonomie vom Staat einzufordern, haben unsere Politiker erstaunlich hartnäckig und erfolgreich gearbeitet. Geht es dann aber darum, diese Rechte an die eigene Bürgerbasis weiterzugeben, wird der Spieß umgedreht. Mit Paragrafenreiterei, beliebigen Gesetzesauslegungen und allen möglichen Ausreden will man den eigenen Bürgerinnen weismachen, dass wir schon genug Demokratie haben und zu viel sogar gefährlich sein kann. Gefährlich für wen? Es wäre doch ein Gewinn für unser Land, wenn Bürgerinnen und Bürger mehr politische Verantwortung tragen und über Volksentscheide gemeinschaftliche Anliegen mitgestalten könnten. Das würde die Autonomie lebendiger machen.
Paola Frena, Olang
-
Alles über Lebensmittel
Südtirol Panorama 1/26 über die Leute, die uns ernähren
Guter Journalismus sollte bekanntlich einordnen, vergleichen, hinterfragen. Wenn also Konsumentenbefragungen zitiert werden, nach denen die Zahlungsbereitschaft für lokale Produkte höher wäre, so sollte man dazusagen, dass derartige Antworten einer Reihe von „Verzerrungen“ unterliegen. Und selten dem tatsächlichen Konsumverhalten entsprechen, das sich an der Kasse im Laden zeigt, wo der Preis eine bedeutende Rolle spielt. So führt man nicht nur Leser in die Irre, sondern stützt auch falsche Entscheidungen.
Wenn über die Südtiroler Exporte geschrieben wird, sollten diese zum Beispiel mit anderen geeigneten Regionen verglichen werden; dann würde man unter anderem feststellen, dass die Exportquote bei uns unter dem italienischen – und dem Durchschnitt vieler Nachbarregionen in Nord und Süd liegt. Dies gilt übrigens auch für das unzweifelhaft große Problem Braindrain; jede Menge Artikel, trotzdem scheint niemand genau zu schauen, wie das ist und was man dagegen in vergleichbaren Regionen anderswo macht. Etwa in Tirol, im Trentino, in Oberbayern oder in Salzburg. Dabei könnte man erkennen, was hausgemacht ist – und was zu tun wäre.
Aber ich versteh schon: Unser Nabel ist so schön und groß – und unvergleichbar sind wir sowieso!
Franz J. Mitterrutzner, Bozen
-
Aus offenem Fenster
Außensicht von Florian Kronbichler in ff 21/26 über Respekt für diejenigen, die sich für den Frieden starkmachen
Für den Frieden zu sein, ist sehr positiv, und wenn es gelingt, auch ganz im eigenen Interesse: Es ist jedoch wohl offensichtlich, dass es Frieden nur entweder dann gibt, wenn alle dafür sind, aus einer Position entsprechender Stärke, wenn man diesen will, oder unter dem Schutz einer starken friedlichen Macht.
Martin Dissertori, Eppan
-
Knappe Geschichte
„Panorama“-Meldung in ff 22/26 über zwei Gesetzentwürfe zur Direkten Demokratie
Eigentlich tun die Politiker schon lange so, als wären sie an unserer Mitsprache und Beteiligung interessiert. Vielleicht meinen sie wirklich, wir kaufen es ihnen noch ab. Auffallend ist jedenfalls, dass es in Südtirol schon lange keine Volksentscheide mehr gibt. Selbst in den Gemeinden rührt sich nichts mehr. Alle glücklich und zufrieden? Keine Vorschläge, keine Initiativen mehr von der Bevölkerung. Dennoch oder womöglich gerade deswegen zeigt sich ringsum Politikverdrossenheit und Wahlmüdigkeit, wenn man auf die Landespolitik zu sprechen kommt.
Nun heißt es wieder einmal, der Südtiroler Landtag wolle im Juni über Mitspracherechte und direkte Demokratie beraten. Das bestehende Landesgesetz funktioniere nicht und müsse überarbeitet werden. Aber wer, bitte schön, hat es denn so gewollt und gemacht? Nach all dem Hin und Her kommen Zweifel auf. Entweder manche Politiker sind nicht fachkompetent oder sie haben die Regelung absichtlich zur Verhinderung von Bürgerbeteiligung maßgeschneidert. Man kann die Leute einmal, zweimal täuschen, aber nicht andauernd. Nun bin ich gespannt, was bei der nächsten Landtagssitzung herauskommt!
Eva Prantl, Kastelbell-Tschars
-
Alle paar Jahre ins Wahllokal zu gehen, ist eine bewährte Form der Demokratie. Doch lebendige Demokratie braucht mehr – davon war zum Beispiel auch Hannah Arendt überzeugt. Die Gefahr einer rein repräsentativen Demokratie besteht nämlich darin, dass Wählerinnen und Wähler sich nicht mehr verantwortlich fühlen für politische Entscheidungen und Politik zu einer Dienstleistung wird, ausgeführt von ein paar Figuren „da oben“ (oder „da unten in Bozen“, aus einer typisch Südtiroler Sicht). So entsteht ein Rollenverständnis, nach dem Politik gefälligst liefern soll … und wehe, wenn nicht zugunsten meiner privaten Interessen!
Wäre also schön, wenn sich in den Juni-Sitzungen des Landtages eine Mehrheit dafür fände, die schon existierenden Formen der direkten Demokratie auch wirklich umsetzbar zu machen. Nicht weil ein ominöser Volkswille immer recht hätte oder weil den Regierungen grundsätzlich nie zu trauen wäre. Es geht darum, Wahlberechtigte aus einer Haltung des Politik-Konsums herauszuholen. Denn diese Haltung könnte noch fatal werden für die Zukunft der Demokratie.
Georg Siller, Algund
-
„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, dies war der Ruf des geknechteten Volkes nach Demokratie vor mehr als 200 Jahren. Es verlangte, das eigene sozialpolitische Geschick mitbestimmen zu dürfen. 1945, nach der Befreiung von Faschismus und Nationalsozialismus, erwachte auch in Südtirol das Verlangen nach „Selbstbestimmung“. Einigen beherzten Menschen gelang es mit Mühen und viel diplomatischem Geschick, solch Ideologie in die neumögliche Politik einzubinden. Eine Denkart und Gesinnung, über Jahrzehnte praktiziert, von politischen Kontrahenten auch akzeptiert.
Letzthin jedoch, so zeigt sich’s, werden erreichte Privilegien von einigen Landesregenten dreist missbraucht. Ist die heutige politische Freiheit jene, die sich Volksvertreter anmaßen über die Belange der Menschen hinweg, herrisch bestimmen zu dürfen, bloß des Machtgehabens wegen? Ist die Brüderlichkeit diese, die manch Landesregent seiner Wählerschaft mit biblischen „Silberlings-Küssen“ honoriert? Verstehen einige Landesregenten den Begriff „Gleichheit“ als: „Allen gleich viel, nur uns ein bisschen mehr“?
Wer sich als Kommunalpolitiker nicht scheut, Unrichtigkeit zu (!) dekretieren, um Vorteile zu erlangen, wird auch als Mitglied der Landesverwaltung keine Skrupel haben, sich solche – wie auch immer – zu sichern. Bleibt zu hoffen, dass sich im Vokabular der zu erwartenden KI-Politik der Begriff „Gier“ nicht findet.
Werner Rizzi Ladinser, Brixen
-
Hirnbaum für Heller
Zum Cartoon von HPD in ff 21/26, in dem zu lesen steht, einen Hirnbaum habe es in Südtirol noch nie gegeben
Stimmt nicht ganz, lieber Hanspeter, einen gab es schon Anfang der Achziger, so einen bunten Hirnbaum, eine Staude, auf Schloss Prösels, anlässlich einer Ausstellung des -„Circolo“ von St. Ulrich. Er wurde, obwohl unter Naturschutz, abgeschnitten, hinter einem Turm versteckt, praktisch „entsorgt“. Damals ging es, unter anderem, um die Universität, die konservativen Kräfte der SVP wollten sie nicht, ganz nach dem Motto: „Südtirol ist nicht reif für eine Uni“. Studenten sind zu bunt, zu frech … was sie denken, sagen sie auch, das war ihnen ein Dorn im Auge.
Immerhin, diese Arbeit wurde zerstört wie andere auch, abmontiert und entfernt oder in einen Keller gesteckt. Ein schönes Beispiel von Zensur – oder war es Angst? Einige dieser Hirne habe ich übrigens noch, sie sind immer noch schön bunt.
Leander Piazza, St. Ulrich
weitere Bilder
Weitere Artikel
-
-
Hitzewelle mit Folgen
Wetter – Wassernot: (lh) Kaum hatten sich die Eisheiligen verabschiedet, stiegen die Temperaturen vergangene Woche auf ...
-


Leserkommentare
Kommentieren
Sie müssen sich anmelden um zu kommentieren.