Leserbriefe

„Das laugt alle aus“

 

Barbara Plagg über Familien, Mütter und Rollenbilder, Interview in ff 22/26

Zumindest für die Zeit, in der die Frauen aus finanziellen Renten-Gründen zur Annahme von einem Arbeitsverhältnis gezwungen werden, sollte der Ganzjahres-Kindergarten angeboten werden. Auf die Frauen kommt trotzdem noch mehr als genug Care-Arbeit zu, bis die Kinder ausziehen. Wann wagen sich die Politiker endlich an die rabiat am Schulkalender klebenden Kindergärtnerinnen heran, die kaum Unterrichtsvorbereitungen und keine Korrekturen vorzuweisen haben?
Josef Fulterer, Kastelruth
Die Forderungen von Frau Plagg nach einem ganztägigen und ganzjährigen Betreuungs­angebot von 0 bis 14 Jahren blendet die Bedürfnisse des Kindes völlig aus. Kinder sind keine Betreuungs­fälle, die untergebracht werden müssen, damit die Wirtschaft läuft! Sie bringt nur die ­Probleme der Mütter aufs Tapet, nicht aber die Probleme der Kinder, welche ganztägig und ganzjährig fremdbetreut werden.
Die Entwicklungspsychologie ist sich einig, dass Kleinkinder bis zu drei Jahren eine verlässliche, stabile Beziehung zu wenigen Bezugspersonen brauchen und ein häufiger Wechsel oder zu viele Bezugspersonen Stress für das Kind bedeuten, wobei sich Verhaltensauffälligkeiten häufen.
Erziehungsarbeit ist eine große, herausfordernde und wunderschöne Aufgabe, an der Eltern und Kinder gemeinsam wachsen und reifen. Mit den Forderungen von Frau Plagg wird das Problem des „Ausgelaugtseins“ nur verschoben. Von einer zeitlich langen Fremdbetreuung kommen Kinder ausgelaugt, übermüdet und gereizt zurück. Dasselbe gilt für das Betreuungspersonal. Und wie geht es wohl der Mutter, welche nun ganztags arbeitet und welche jetzt überreizte Kinder übernimmt?
Frau Plagg stört sich am Begriff „Totalbetreuung“ von Rai Südtirol. Aber genau das ist die richtige Zustands­beschreibung: total familien­fern, total durchgetaktet, total am Kind vorbei.
Sie fordert die Solidarität der Mütter für ein Konzept, das völlig gegen den naturgegebenen Mutterinstinkt läuft. Ein Land rettet man nicht, indem man den Kindern die Kindheit stiehlt und es dann „Fortschritt“ nennt.
Johanna Innerhofer, Riffian

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