Landesrat Hubert Messner wollte den assistierten Suizid gesetzlich regeln. Nach einer Sitzung der SVP-Spitze zog er seinen Entwurf zurück. Was ist da passiert?
Leserbriefe
Leserbriefe, Ausgabe 27_26
„Dehnungsübung für die Gesellschaft“
ff 25/26 über eine Tagung in Brixen und psychische Krisen und psychiatrische Zwangsmaßnahmen
„Leider sind die Unzufriedenheit und die Polarisierung in diesem Bereich sehr groß“, wird Manuel Gatterer, einer der Referenten bei der Tagung und Betroffener, zitiert. Ich weiß nicht, ob diese Veranstaltung nicht auch dazu beigetragen hat. Die Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie gehören wohl zu den heikelsten Themen, sie sind umstritten, Ausdruck einer Ohnmacht und immer das letzte Mittel, um Selbst- und Fremdgefährdung abzuwehren.
In den Veranstaltungen hatte ich den Eindruck, dass Ärzte und Fachpersonal so hingestellt wurden, als ob sie dieses letzte Mittel leichtfertig anwenden würden. Ich kann nicht aus eigener Erfahrung zum Thema Gewalt mitreden, ich musste zwar viele Male die Psychiatrie als Patient in Anspruch nehmen, aber ich ließ mich jedes Mal von den Ärzten überzeugen, dass ein Aufenthalt meinem eigenen Wohl diente. Dadurch entging ich dem Procedere der Zwangseinweisung. Es müssen zwei Ärzte unterschreiben, der Bürgermeister, der Vormundschaftsrichter, und innerhalb einer Woche findet eine Überprüfung statt. Ja, wenn es um die Freiheit geht, unser größtes Gut, ist immer Vorsicht geboten.
Alle Zwangsmaßnahmen müssen dem Vormundschaftsrichter gemeldet werden, sie müssten veröffentlicht werden, um darüber zu diskutieren. Seit Jahren verlangen der Verband Ariadne, der Dachverband für Gesundheit und Soziales, dass diese Daten zugänglich gemacht werden und im Landeskomitee für Psychiatrie, wo sämtliche Player versammelt sind, erörtert werden. Allein dieses Komitee wird seit Jahren nicht mehr einberufen und die Daten werden geheim gehalten. Diverse Aussprachen mit der Verwaltung, mit dem zuständigen Landesrat führten ins Nichts. Ich verstehe nicht, warum eine Verwaltung sich beharrlich wehrt, eine Diskussion mit allen Beteiligten zu führen.
Auch der 30 Jahre alte Landespsychiatrieplan wurde in keinem Komma verändert, in vielen Punkten ist er bis heute nicht erfüllt.
Zurück zur Tagung. Eine Teilnehmerin äußerte, heute habe sie mehr Angst vor der Psychiatrie als vor einer Psychose. Diese Aussage stimmte mich traurig, wenn jemand die Psychiatrie als Ort der Gewalt und nicht als Ort der Heilung erlebt, ist das schlimm – ich bin froh, dass dies nicht meine Erfahrung ist. Ja, ich bin allen in der Psychiatrie Tätigen dankbar. Im permanenten seelischen Ausnahmezustand versuchen sie die Menschlichkeit hochzuhalten. Ich versuche in meinen Vorträgen, Seminaren und Schulbesuchen dieses positive Bild zu zeigen und rufe alle auf, sich aktiv Hilfe zu suchen. Kein Problem ist so groß, dass es nicht eine Lösung dafür gäbe.
Richard Santifaller, Brixen
Kein Bock auf Kaserne
ff 26/26 über die Wiedereinführung des Wehrdienstes und was die Jugend dazu sagt
Die Jugend hat keinen Bock auf Kaserne und Militär. Dies erinnert den Verfasser dieser Zeilen an seine Jugendzeit, als er zur Musterung nach Trient einberufen wurde, ein Jahr später wieder erscheinen musste und danach frei ging.
Es gab auch Südtiroler konservativer Ausrichtung, die damals der Meinung waren, dem Verfasser hätte es gutgetan, wenn er den Militärdienst hätte ableisten müssen, man glaubte, das Militär hätte aus einem Querkopf einen gehorsamen Konformisten gemacht – weit gefehlt.
Der Verfasser sah das Marschieren in Uniform im Gleichschritt als eine sinn- und geistlose Sache, die Schulung im Umgang mit Schusswaffen als eine Vorbereitung auf das Töten von Menschen, was dem Gewissen des Verfassers zur Gänze widersprochen hätte. Dem Verfasser wurde bereits in seiner Kindheit von einem Großonkel, Bruder der im Angehörigenkreis präsenten Großmutter, erzählt, der in den Zweiten Weltkrieg eingezogen worden war und sich in Polen, wo SS-ler polnischen Müttern Kinder aus den Armen gerissen und damit Fußball gespielt hatten, geweigert hatte, Befehle weiterzugeben. Mit der Folge, die dafür vorgesehen war und die mit dem Schaufeln des eigenen Grabes begann.
Der Verfasser dieses Textes wäre niemals dazu bereit, auf palästinensische Kinder zu schießen, besser wäre es, auch nach einem bitteren Tod, mit reinem Gewissen vor den Schöpfer hinzutreten. Manchmal ist von dem alten, verkommenen Mythos eines Vaterlandes die Rede, den Rechtsparteien wieder vom Müllplatz der Weltgeschichte geholt haben und zu recyceln versuchen. Ein Staat ist nichts Sakrosanktes, sondern eine Verwaltungsinstitution, etwas völlig Profanes, für das man weder Zeit noch Energien investieren sollte.
Verpflichtender Wehrdienst soll Menschen das Recht auf Gewissensfreiheit nehmen.
Georg Lezuo, Bozen
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Teseo La Marca
Teseo La Marca lebt zwischen Bozen und Berlin. Als freier Journalist (etwa NZZ, Geo, taz) ist er viel unterwegs, vor allem im Nahen Osten, und schnappt dabei immer wieder Songs aus den Ländern auf, aus denen er gerade berichtet. 2025 ist sein erstes Buch erschienen.
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