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Leserbriefe
Leserbriefe_Ausgabe 31_26
Auf freiem Fuß
ff 28/26 über die digitale Unabhängigkeit Südtirols – und wie das geht
Ihr Bericht zum FUSS-Jubiläum greift zwar die Vorteile freier Software auf, übernimmt dabei jedoch ungeprüft das Narrativ der Landesbürokratie.
Wer die digitale Geschichte Südtirols recherchiert – etwa über die Studie der Europäischen Kommission von 2007 („Upgrade to Freedom“, OSOR) –, stößt auf eine andere Realität. Eine Studie, die wie ein Mahnmal wirkt: Die EU schafft zwar die Strukturen und beweist die Machbarkeit digitaler Souveränität, doch das lokale Territorium versagt bei der Umsetzung, weil es die Bequemlichkeit proprietärer Monokulturen einem echten europäischen Agieren vorzieht.
Das FUSS-Projekt entstand im Dezember 2004 nicht aus einer behördlichen Initiative, sondern aus dem Impuls von Antonio Javier Russo (damals IT-Lehrer an der Einaudi-Schule), Carlo Pomaro und Paolo Zilotti (Schulamt). Gemeinsam mit Barbara Repetto, Hellmuth Ladurner und Christopher Gabriel (Truelite) wurde eine Open-Source-Offensive gestartet, die wie von der EU zertifiziert die jährlichen IT-Kosten der italienischen Schulen von 200.000 Euro auf 12.200 Euro im Jahr 2006 drückte. Dass der Name Antonio Russo heute aus den offiziellen Chroniken getilgt ist, beschreibt das „System Südtirol“: ein Apparat, in dem Loyalität vor Kompetenz rangiert. Wer sich nicht beugt, tritt zurück – wie Russo 2006 –, woraufhin das System die Lorbeeren einheimst.
Es wirkt schon grotesk, wenn FUSS heute als Bollwerk der „digitalen Souveränität“ gepriesen wird. In 20 Jahren wurden interne Kompetenzen abgebaut. Während FUSS mit lächerlichen 40.000 Euro im Jahr abgespeist wird, zahlt das Land im selben Atemzug im Durchschnitt 2,5 Millionen Euro jährlich für proprietäre Lizenzen in der Verwaltung und 3,4 Millionen im Triennium an den Schulen.
Die Ironie dieser Kapitulation zeigt sich in den Biografien: Während in Bozen die Verwalter der Abhängigkeit Karriere machen, leitet Antonio Russo heute als HPC System Manager am High-Performance-Computing-Zentrum der EPFL Lausanne die Königsklasse der Informatik auf Supercomputern.
Ein Land mit einem 11-Milliarden-Haushalt könnte sich eigene digitale Spitzenzentren leisten. Doch dafür müsste man in der Provinz begreifen: Exzellenz kauft man nicht auf Lizenzmärkten – sie entsteht nur dort, wo Freiheit herrscht und Freiräume geschaffen werden, statt die Zukunft im Verwaltungsakt zu ersticken.
Pasqualino Imbemba, Reischach
Pro & Contra Sterbehilfe
Bernhard Windischer und Lukas Steinwandter in ff 28/26 zur Frage: Wer darf über das Lebensende entscheiden?
Meiner Meinung nach sollte jeder Mensch selbst frei entscheiden, ob, wie und wann er aus dem Leben scheidet.
Siegmar Trojer, Schlanders
Fremd in der Heimat
Der Berg als barrierefreier Erlebnispark
Als ich kürzlich in meiner Freizeit im hochalpinen Gelände des Naturparks Rosengarten unterwegs zur Gartlhütte war, musste ich kurz vor der Schutzhütte feststellen, dass etliche Stufen mit einem Kompressor direkt in das Dolomitmassiv geschlagen wurden. Auf meine Frage an den Hüttenwirt, warum dies getan wurde, erhielt ich die ernüchternde Antwort: „Weil Wanderer sonst den Wegverlauf nicht finden.“
Dabei gäbe es doch immer noch die traditionellen, naturschonenden Methoden: die klassischen rot-weißen Farbmarkierungen oder die 1,80 Meter hohen, farblich gekennzeichneten Stangen. Es ist wirklich traurig zu sehen, dass man nun Menschen ohne jeglichen Orientierungssinn und ohne hochalpine Erfahrung regelrecht nach oben lockt.
Man darf nicht vergessen, wie dramatisch die Zahl der Bergrettungseinsätze inzwischen steigt – nur weil man es den Wanderern viel zu bequem macht. Bereits im Jahr 1995–96 wurden am Wanderweg von der Plattkofelhütte zum Plattkofel zwei Diagonalen mit einem Luftkompressor in den Fels geschlagen, obwohl die Passage zuvor eine natürliche Auslese für die Wanderer darstellte. Heute kommt dadurch jeder mühelos bis zum Gipfel, auch weil kurz davor zwei riesige Steinblöcke entfernt wurden.
Ein fremder Anblick bot sich mir beim Abstieg an der Bergstation der Kölner Umlaufbahn. Ich hatte das Gefühl, mitten in einer nächtlichen Großstadt zu stehen. Bunte Lichter beleuchteten die nackten Betonwände. Und als wäre das nicht genug, stand am Ausgang zur Bergterrasse im Inneren ein riesiges rotes Sofa, umrahmt von bunten Kunstblumen.
Ich fühlte mich fremd in meiner eigenen Heimat. Wo bleibt der Respekt und die Sensibilität der Berglandschaft und Natur?
Karlheinz Dejori, Wanderleiter, St. Ulrich
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