Leserbriefe

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Eine Stunde
Frauenschwimmen im Lido Salurn: „Außensicht“ von Karin Köhl in ff 31/26
Verschiedene Studien aus Europa berichten, dass viele Mädchen und junge Frauen aus Scham über ihren Körper oder aus Angst vor wertenden Kommentaren Schwimmbäder, Strände und all jene Orte meiden, an denen der Körper zur Schau gestellt wird. Laut Statistiken aus unserem Land meiden 13 Prozent der Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren Schwimmbäder, mehr als 50 Prozent geben an, bereits wertende Kommentare über ihr Aussehen erlebt zu haben. Nach den Diskussionen der vergangenen Wochen rund um das Schwimmbad von Salurn bin ich gemeinsam mit etwa 50 anderen Frauen dort schwimmen gewesen. Ich bin inzwischen eine reife Frau und habe mich in meinem Körper nie besonders unwohl gefühlt. An blöde Kommentare oder an durchdringende Blicke auf Busen und Hintern habe ich mich – wie viele, vielleicht wie alle Frauen – gewöhnt. Wenn möglich, gehe ich lieber an Frauenabenden in die Sauna. Im Bikini über die Wiese zu laufen, ohne die eindringlichen Blicke zu spüren, an die wir uns gewöhnt haben, war ausgesprochen angenehm. Ein tiefes Gefühl von Freiheit.
Es wäre sehr schön, wenn alle Schwimmbäder, auch in Bozen, Meran, Klobenstein oder Gargazon, Frauen die Möglichkeit geben würden, einige Stunden pro Woche unter sich zu sein.
Ohne Polemik, ohne Diskriminierung – einfach, weil man weder Muslimin noch unterdrückt sein muss, um es angenehm zu finden, ab und zu im Badeanzug zu sein, ohne dabei aufdringliche Blicke von Männern auf sich zu spüren. Ich weiß, viele Männer fühlen sich von solchen Argumenten angegriffen und müssen immer wieder betonen: Nicht alle Männer sind so.
Aber glaubt mir: Ich habe 60 Jahre Erfahrung, und es müssen wirklich nicht alle so sein, es reicht schon einer. Und an öffentlichen Orten, in Schwimmbädern, in Lokalen, auf der Straße, begegnen wir immer wieder einem, der glaubt, er müsse kommentieren, urteilen oder so eindringlich schauen, dass es unangenehm wird. Lasst uns bitte ab und zu einfach darauf verzichten.
Raffaela Vanzetta, Koordinatorin Fachstelle Essstörungen im Forum Prävention, Bozen

Eine Stunde
Frauenschwimmen im Lido Salurn: „Außensicht“ von Karin Köhl in ff 31/26
Frau Köhl schreibt: „Seit Tagen diskutieren wir über eine Stunde, über 60 Minuten an einem Sommerabend. Mehr nicht. Und trotzdem hängen plötzlich Integration, Frauenrechte und Parallelgesellschaften daran.“
Ich denke, dass es nicht um diese eine Stunde pro Woche geht, die für die muslimischen Frauen im Schwimmbad von Salurn reserviert wird. Für mich – und ich unterstreiche, dass ich weder einer Partei angehöre noch religiös bin – stellt sich vielmehr die Frage, warum wir hier im Westen dem System Islam so kulant und kompromissbereit gegenüberstehen, warum wir jahrzehntelang Kopftuchdebatten führen, während 49 von 57 islamischen Ländern Christ:innen und Jüd:innen diskriminieren und verfolgen und ein Rechtssystem aus dem 7. Jahrhundert n.Ch. (Scharia) für das Straf-, Familien- und Erbrecht anwenden?
Während im Iran Frauen auf die Straße gehen, um das verhasste Kopftuch abzulegen und dabei ihr Leben riskieren, inhaftiert und zu Tode vergewaltigt werden, feiern wir muslimische Kleiderregeln als Vielfalt und uns selbst als tolerant. Darüber sollten wir nachdenken, und zwar über die Frage, auf welcher Seite wir stehen wollen, auf der Seite eines Systems, das Menschen unterdrückt, oder auf der Seite derjenigen, die ihre Stimme gegen dieses System erheben (vgl. dazu auch meinen Gastbeitrag „Das verratene Volk“ in ff 9 /2026)?
Maria Theresia Schmittner, Terlan / Meran

Knappes Gut
Was wir in Südtirol tun, damit uns das Wasser nicht ausgeht: Titelgeschichte in ff 33/26
Da der Wasserverbrauch für Touristen weit höher liegt als der für Einheimische, ist’s – auch aus diesem Grund – wohl nicht mehr angebracht, Gäste (mit teils flehentlicher Stimme) in unser Land zu locken.
Stefan Kamelger, Neustift

Knappes Gut
Was wir in Südtirol tun, damit uns das Wasser nicht ausgeht: Titelgeschichte in ff 33/26
Obwohl 72 Prozent der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt sind, eignen sich nur 0,3 Prozent davon als Trinkwasser. Und dieses wird durch Klimawandel, intensive Nutzung, aufwendige Produktionsweisen und lecke Leitungen immer weniger. Rund vier Milliarden Menschen erleben mindestens einen Monat im Jahr Wasserknappheit.
War man in unseren Breitengraden bisher nur entfernt damit konfrontiert, so rückt Wasserverknappung langsam an uns heran. Ein Dreh am Hahn und es sprudelt zu jeder Tag- und Nachtzeit – das könnte auch bei uns bald Vergangenheit sein.
Aufrufe Maß zu halten gab es schon, gibt es wieder. Wasser sparen beginnt zuoberst im Kopf, ist keine Kasteiung, sondern Prioritätensetzung:
Gedankenlose Verschwendung (mehrere Duschgänge täglich) und Luxuskonsum (täglicher Handtuchwechsel in hochpreisigen Hotelanlagen) sind jedenfalls abzudrehen. Zu lange leben wir schon über unsere hydrologischen Verhältnisse!
Thomas Malfertheiner, Bozen

Enttäuschte Kosovaren
„Jenseits des Brenners“ – Kolumne von Ulrich Ladurner in ff 33/26
Im Zentrum der kosovarischen Hauptstadt Pristina wurde eine ukrainische Flagge mit der Aufschrift „Free Ukraine“ eingeholt, nachdem sie vier Jahre lang sichtbar gewesen war.
Der ukrainische Präsident hatte Tage vorher Serbien einen Besuch abgestattet und sich mit Aleksandar Vučić, dem Präsidenten dieses Landes, getroffen, gemeinsam hatten die beiden Staatschefs ein Freihandelsabkommen vereinbart. Wer mit wem? Der Präsident eines Staates, dessen ethnische Mehrheit zuerst unter den weißen, nach 1917 bis 1990 unter den roten Zaren als ein Bauernrussisch sprechendes Volk nicht zur Kenntnis genommen und vielfach als minderwertiges Volk geknechtet und gedemütigt wurde, eines Staates, der sich im Jahr 1992 zur Zeit des Zusammenbruchs der Sowjetunion die lange Fremdherrschaft abschütteln konnte.
Der Präsident dieses Staates strebte ein Abkommen mit einem Staat an, der – wie bereits das zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führende Ereignis zeigte – eine lange, enge, traditionelle Freundschaft mit Russland pflegte und pflegt, mit jenem Staat, der Ende Februar 2022 die Ukraine angegriffen hat und dort mit aller kriegerischen Härte menschlichen, materiellen und wirtschaftlichen Schaden zufügt.
Es lässt sich mehr als leicht nachvollziehen, dass das Kosovo, das nach gewaltsamen Versuchen der Vertreibung der einheimischen albanischsprachigen Bevölkerung im Jahr 1999 die Unabhängigkeit von Serbien erlangte, mit der ukrainischen Bevölkerung fühlte, mitfühlte.
Wenn nun der Präsident jener Ukraine mit den ehemaligen Unterdrückern des Kosovo ein Abkommen geschlossen hat, kann man wohl sehr gut die Enttäuschung des Bürgermeisters von Pristina, Perparim Rama, verstehen, wenn er in seiner Stadt die ukrainische Fahne nebst Solidaritätserklärung einholen ließ.
Was den serbischen Präsidenten betrifft, hat dieser Mann bereits mehrmals und beim Besuch Wolodymyr Zelenskys nicht zum ersten Mal bewiesen, dass er auf mehreren Klavieren zu spielen versteht, in Richtung Russland, EU und auch Ukraine. Man wird kurz- oder längerfristig sehen, wer im serbisch-ukrainischen Freihandelsabkommen am längeren Arm sitzt und wer den Kürzeren ziehen wird.
Georg Lezuo, Bozen

Der Fall Florian
Wie der Deutsche Orden mit Missbrauchsvorwürfen umgeht: Titelgeschichte in ff 32/26
Nach der Lektüre des Artikels fragte ich mich, wem ich nun „glauben“ soll, d. h. wer die Wahrheit sagt. Der beschuldigte Deutsch­ordens-Priester streitet die Vorwürfe ab. Der Betroffene beschreibt genau Ort und Zeit des Missbrauchs über zwei Jahre, die leidvollen Auswirkungen von der Verdrängung bis zu den psychischen Problemen, den Therapien und der Retraumatisierung nach dem Gang an die Öffentlichkeit.
Damit ist für mich eindeutig, dass ich dem Betroffenen glauben muss. Sonst müsste ich ihm unterstellen, dass er alles erfunden hat und seine Leiden simuliert. Der Priester ist in der Position, dass es keine Zeugen gibt, dass sich – wie meist in solchen Situationen – der Betroffene nicht gleich an eine Vertrauensperson gewandt hat und gerichtlich eine Verjährung vorliegt, was nicht einem Freispruch gleichkommt.
Das forensische Gutachten der Diözese wird nicht transparent veröffentlicht. Es ist nicht klar, ob der damalige oder der heutige Zustand des Priesters untersucht wurde. Damit wird dem Betroffenen erneut ein Recht vorenthalten und Unrecht angetan.
Alles hat für mich den Anschein, dass die Verantwortlichen der Diözese und des Deutschen Ordens aus welchen Gründen auch immer nur den Aussagen des Priesters Glauben schenken. Der Betroffene, mit dem man nicht einmal geredet hat, wird damit vor den Kopf gestoßen und in seinem Leiden allein gelassen. Er und die behandelnde Psychologin werden als unglaubwürdig hingestellt.
Das alles bedauere ich sehr. Es lässt die Diözesanleitung unglaubwürdig dastehen mit ihrer Aussage, Betroffene vorrangig zu berücksichtigen.
Ich spreche „Florian“, dem Betroffenen, meine volle Solidarität aus und hoffe, dass er früher oder später Gerechtigkeit erfährt und einen Weg findet, mit der gegenwärtigen Situation für ihn und die Seinen annehmbar umzugehen. Zudem ersuche ich dringend, einen unabhängigen diözesanen und öffentlichen Betroffenenrat einzurichten, damit Betroffene eine ihnen entsprechende Vertretung und eventuell Beratung erhalten.
Robert Hochgruber, Tschötsch

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