Leserbriefe

Leserbriefe_36_26

 

„Liebe als Handicap“
Wie gefährlich ist die virtuelle Welt für Kinder und Jugendliche? Interview mit der Pädagogin Petra Wall­nöfer in ff 33/26
Es klingt zwischen den Zeilen mit, es wird gedanklich am Seitenrand erwähnt, aber es wird wieder nicht laut ausgesprochen: Wir fordern Kinder und Jugendliche mit Medienkompetenz, ohne Erwachsene zu haben, die diese über­prüfen könnten. Ja, in der Schule können sich Lehrpersonen schon seit Jahren in Medienkompetenz schulen lassen und wer, wenn nicht die Schule soll unsere Kinder unterrichten? Aber wenn wir schon schulisch denken: Unterrichtet ­werden Kinder und Jugendliche sechs Stunden am Tag. Das bedeutet, dass sie 18 Stunden außerhalb der Schule ihr Wissen erlangen. Was hilft es also, dass sie in der Schule lernen Posts und Kommentare zu checken, wenn zu Hause die Stammtischparolen aus Facebookbeiträgen wiederholt werden; oder das Handy immer griffbereit sein muss.
Solange wir von unserem Nachwuchs fordern, ohne selbst einen Schritt zu machen, ändert sich nichts. So werden weiterhin Erwachsene, die sich schwer damit tun, den Wahrheitsgehalt einer satirischen Kolumne mit Augenzwinkern von einer lang recherchierten Reportage zu unterscheiden, von den Jüngeren erwarten, sie sollten doch erkennen, wenn in zusammengeschnittenen Videos Meinung transportiert wird oder dass der sich Doktor nennende Beitragsersteller keinen Klarnamen verwendet. Daher bitte, lasst uns den Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz beibringen – nachdem auch unsere Erwachsenen diese erlangt haben. Vergeben wir gratis Handykurse und Internetsurftrainings. Ermutigen wir auch die älteren Semester über ihre Blasen nachzudenken.
Julian Stuefer, Brixen

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Sei der Mensch, der du wirklich sein willst
Der Grüne Zeno Oberkofler in ff 31/26 über ein neues Männerbild; Replik von Gleichstellungsrätin Brigitte Hofer in ff 34/26
„Sei der Mensch, der du wirklich sein willst“ ist nach meiner Ansicht dann richtig, wenn man ein wirklich menschlicher Mensch sein will. „Sei der Mann, der du wirklich sein willst“ ist ethisch nach meinem Ermessen im Ergebnis vollkommen offen: Solche Männer sind – neben ethisch positiven Männern mit diesem Ideal – zum Beispiel Donald Trump, Wladimir Putin und Roberto Vannacci und waren unter anderem Adolf Hitler, Benito Mussolini und Stalin.
Man sollte sich bemühen, eine ethisch positive ver­nünftige Person zu sein – unabhängig davon, wie man sein möchte.
Martin Dissertori, Eppan

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Streitfall Schule
Die Unruhe in Südtirols Klassenzimmern
Schon über mehrere Schuljahre ziehen sich die Streitig­keiten um Schule mit Folgen, die in erster Linie die Eltern treffen. Es hat in den letzten Jahrzehnten ­Entwicklungen gegeben, die zu immer größerer Zerstückelung des Unterrichts geführt haben: Die Schulautonomie hat ermöglicht, dass einzelne Schulen Fächer, Unterrichtseinheiten unterschiedlichster Dauer, ganze Fachrichtungen, einführen konnten. Schulwahl und Unterrichtsabläufe sind komplizierter geworden. Es ist eine große Unruhe in den Schulbetrieb eingekehrt. Diese Unruhe hat sich zur Belastung ausgeweitet bei Eltern, Schülern und Lehrern.
Erziehung fußt auf stetigem Handeln, ist ein langsamer Prozess. Alles, was Unruhe schafft, ist abträglich. Es gibt Ablenkungen im Übermaß außerhalb der Schule; auch daran verzweifeln Eltern, wie sie sich gegen Google, Instagram, TikTok & Co wehren können. Daher halte ich einen Unterrichtsbetrieb mit wenig Unterbrechungen für zielführender.
Die zeitliche Einteilung des Unterrichts – seit Kaiserin Maria Theresia weitgehend gleich – ist nicht mehr adäquat. Will man die Gleichheit der ­Geschlechter umsetzen, muss es eine ­Neueinteilung geben. Weg vom Sommer-Winter-­Schwerpunkt. Auch sollten die Lehrer nur für Unterricht eingesetzt werden: Mensadienst leisten ist eine Verschwendung der Resource Lehrer. Nachmittagsbetreuung muss nicht Lehrersache sein. Auch müssen Lehrer von unnötiger Nebentätigkeit entlastet werden, mit ­Sitzungen nur bei echtem Bedarf.
Schulorganisation bedeutet auch die Einbindung der paraschulischen Tätigkeiten, zum Beispiel Musik und Sport. Schulorganisation heißt auch schülergerechter Tagesablauf, Schulmensa, integrative Maßnahmen. Dass solche Ansätze kosten, Gehälter, Berufsqualifikationen, Räumlichkeiten, Transporte, liegt auf der Hand.
Die politisch Verantwortlichen sind berufen, Schul­organisation wie Schultypen festzulegen. Den Lehrern müssen zugesichert werden: Lehrfreiheit und das Vertrauen, dass sie die Sache gut machen.
Peter Duregger, Meran

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